Ferienakademie = Ferien + Akademie

 


In guter Tradition findet seit 1984 einmal jährlich Ende September / Anfang Oktober die Ferienakademie der Universität Erlangen-Nürnberg und der TU München im südtiroler Sarntal statt. Spenden der bayerischen Industrie und des Bundes der Freunde von der Technischen Universität München und vom Universitätsbund Erlangen ermöglichen Studenten und Dozenten die Durchführung von zweiwöchigen Kursen aus dem technisch-naturwissenschaftlichen Bereich. Aber es sind nicht nur die interessanten wissenschaftlichen Vorträge, die die Zeit auf der Ferienakademie zu einem unvergesslichen Aufenthalt machen ...

Das Sarntal lädt ortsbedingt zum Bergwandern ein. Gleich am ersten Abend wurden deshalb wir von Frank Günther (TU München), zugleich wissenschaftlicher Assistent des Strömungsmechanik-Kurses und erfahrener Bergwanderer, in die Theorie des Bergwanderns eingeführt. Diese Theorie wurde in den folgenden zwei Wochen ausgiebig in der Praxis erprobt. Die einzelnen Kurse erkundeten im Anschluss an den meist am Vormittag abgehaltenen wissenschaftlichen Teil mit Wanderungen die Umgebung der Gasthöfe- dank hochtechnisierter Hilfsmittel (und guter Planung) ein Kinderspiel: Im Kurs 9 ("Numerische Methoden in der Strömungsmechanik") waren wir durch Herrn Zenger und Herrn Zimmer gleich mit zwei GPS-Navigationsgeräten ausgestattet. Die Doppelausrüstung führte allerdings gelegentlich zu Uneinigkeit in der Führungsspitze ...

"Die Leute mit dem guten GPS gehen jetzt da entlang, die anderen dort"

Trotz ausdrücklichem Hinweis von Frank Günther auf dessen Unzweckmäßigkeit wollte Herr Zenger während der Wanderungen nicht auf sein Sitzkissen verzichten.

"Wenn die Leute mit den Sitzkissen auch so weit sind, können wir ja dann weitergehen!"

Wie überhaupt alles auf der Ferienakademie war auch die gemeinsame Tageswanderung von allen Kursen lange geplant und gut organisiert. Jeder konnte sich gemäß seinen eigenen Fähigkeiten eine eigene Route aus empfohlenen Wanderungsmodulen zusammenstellen, so dass sich sowohl Profis als auch Angsthasen ihr Abendessen wohl verdienen konnten. Für das leibliche Wohl war übrigens im Gasthof bestens gesorgt - Speis und Trank waren reichlichst und hervorragend. Unvergesslich bleibt uns die immer wiederkehrende Weisheit aus Herrn Zengers Munde beim Heben des Glases:

"Man muss schon sagen, dass das Leben etwas sehr schönes ist"

Doch die Ferienakademie würde nicht Ferienakademie heißen, wenn es nicht auch einen akademischen Teil gäbe. Dazu hatte jeder Teilnehmer bereits im Vorfeld in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl einen Vortrag ausgearbeitet. Wir nahmen am Kurs 9 "Numerische Methoden der Strömungsmechanik" unter der Leitung von Herrn Prof. Durst aus Erlangen und Herrn Prof. Zenger aus München teil. Anders als in einer Vorlesung gab es bei jedem Vortrag viele Zwischenfragen und weiterführende Erläuterungen durch die Professoren. Nicht selten dauerte ein für 45 Minuten angesetzter Vortrag drei Stunden. Zwei Vorträge aus Erlangen wurden dabei auf Englisch gehalten. Die Vortragenden nutzten Overhead-Projektor und Tafel zur Erläuterung der Theorien. Beamer und Laptop ermöglichten Computerdemonstrationen mit den vorgestellten Algorithmen in Aktion.

Die Vorträge gliederten sich in zwei Bereiche: den mathematischen Teil (numerische Methoden) übernahmen v.a. die Münchner; den anwendungsbezogenen, ingenieurwissenschaftlichen Teil deckten hauptsächlich die Erlanger Teilnehmer ab. Der Lehrstuhl Durst konnte hierbei viel Erfahrung aus der Praxis einbringen und kannte die Schwächen und Stärken verschiedener Berechnungsmethoden.

Während die physikalischen Grundgleichungen der Strömungsmechanik seit langem bekannt sind, haben die in den letzten Jahren entstandenen diversen Simulationsalgorithmen noch große Mängel. Der Kurs befand sich mit seinen Themen nicht selten "an vorderster Front" der Forschung - was für uns, die beiden jüngsten Teilnehmer des Kurses, eine völlig neue und faszinierende Erfahrung war. Sowohl Prof. Durst als auch Prof. Zengers Lehrstuhl arbeiten an Software für Strömungssimulationen.

Unsere beiden Professoren verstanden es stets, auch komplizierte Sachverhalte auf gut verständliche Art und Weise zu erklären. So wissen wir jetzt, dass "Reibung" in viskosen Flüssigkeiten eigentlich ein Impulsaustausch ist, was man sich am besten als hin- und herfliegende Kartoffelsäcke zwischen zwei nebeneinander fahrenden Zügen (Fluidelementen) vorstellt.

Nicht fehlen durfte natürlich das traditionelle Tischtennis- und Schachturnier. Dabei wurde zunächst in jedem der vier Gasthöfe ein eigenes Turnier veranstaltet, bevor es zum "Kampf der Gasthöfe" kam. Beim Tischtennis konnte das Kircherhof-Team unter der Führung von Herrn Zenger (nicht zuletzt dank dessen gefürchteter "psychischer Stärke") in einem nervenaufreibenden Finale den Gesamtsieg erringen. Unübertroffen war dabei unser professioneller Fanclub, der bereits auf der Hinfahrt im Bus die Schlachtrufe und -lieder einstudierte. Im Schachturnier mussten wir uns allerdings mit einem knappen zweiten Platz zufrieden geben. Dieser (beinahe) Doppel-Sieg wurde im Kircherhof am Abschieds-Abend selbstverständlich mit Speis und Trank sowie kleinen schauspielerischen und musikalischen Einlagen der einzelnen Kurse gebührend gefeiert.

Viel zu schnell waren so zwei unvergessliche Wochen vergangen. Als Fazit lässt sich in wenigen Worten sagen: Wer nicht mitfährt (oder sich zumindest mal bewirbt), ist selber schuld ...

Kurs 9 (Numerische Strömungsmechanik)


Text: Bernhard Musch, Julian Lorenz