
Der Mediziner-Kurs der Ferienakademie gliedert sich fachlich in zwei Themenkomplexe: Die "case presentations", geleitet von Prof. Dr. B. Gänsbacher, TUM, und die Themen aus der Molekularen Medizin, die von Prof. Dr. Steinkasserer, FAU, betreut werden. Die Hälfte der Teilnehmer stellt dabei jeweils einen klinischen Fall vor, die anderen Teilnehmer präsentieren je ein aktuelles Gebiet der molekularmedizinischen Forschung in Form eines Vortrags. Natürlich ist während der Ferienakademie auch für Erholung und Entspannung bestens gesorgt: Mehrere Halbtages- und eine Tageswanderung im landschaftlich wunderschönen Sarntal dienen als Ausgleich zu den Vorträgen und Diskussionen.
Die Fallpräsentationen basieren auf den regelmäßig im New England Journal of Medicine veröffentlichten "case records". Jeweils ein Teilnehmer bereitet, basierend auf einem solchen Fall, seine Präsentation vor und stellt zunächst das klinische Bild und die Anamnese des Patienten vor. Anschließend wird der Fall in der Gruppe interaktiv, in einem problemorientierten Ansatz diskutiert: Anhand einer Problemliste werden die nötigen diagnostischen Maßnahmen ausgewählt, eine Liste der Differentialdiagnosen erstellt, und schließlich erarbeitet die Gruppe gemeinsam die Diagnose des Patienten.
Dabei ergibt sich reichlich Gelegenheit, die Interpretation von Laborbefunden, Röntgenbildern, CT-Aufnahmen etc. zu üben. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Differentialdiagnosen es z.B. für ein "alltägliches" Symptom wie Mikrohämaturie gibt... Die Diskussion erfolgt in der Gruppe, so dass jeder sein Wissen einbringen kann. Für den Vortragenden selbst ist es oft ein beeindruckendes Ergebnis, wie die Gruppe einen vermeintlich schweren Fall im Teamwork auflöst und die selben Differentialdiagnosen stellt wie die Autoren des Falls.
Die Fälle decken dabei alle Teilbereiche der Inneren Medizin ab und werden von den Teilnehmern selbst in Absprache mit den Organisatoren ausgewählt.
Die Art, nach der die Fälle aufbereitet und präsentiert werden, lehnt sich sehr eng an die in US-amerikanischen Krankenhäusern übliche Weise an. Dieser sehr streng strukturierte Ansatz erleichtert die problemorientierte Diskussion des Falls. Zugleich ist die Kenntnis dieses Systems auch im Hinblick auf Auslandsaufenthalte in den USA extrem hilfreich. Aus diesem Grund ist es jedoch sehr empfehlenswert, dass die Teilnehmer der Ferienakademie sich bereits zuvor mit dem System und dem Ablauf der Präsentationen vertraut machen. In München existiert seit Jahren eine wöchentlich stattfindende "case discussion round" unter der Leitung von Prof. Gänsbacher (Ansprechpartner: Klaus Metzeler, email: mail@klaus-metzeler.de). In Erlangen hat sich aus ehemaligen Ferienakademie-Teilnehmern ebenfalls eine solche Gruppe gebildet (Ansprechpartner Carsten Jungbauer, email: car2002@gmx.de).
Die Vorträge aus der molekularen Medizin umfassen hochaktuelle Themen wie Gentherapie, Immuntherapien, Tumorvakzinierung oder Präimplantationsdiagnostik. Gemeinsamer Hintergrund all dieser neuen Entwicklungen ist die immer mehr zunehmende Fähigkeit, den Ursprung von Krankheiten auf der Ebene von Proteinen und DNA zu erfassen. Daraus ergibt sich die Perspektive, viele Erkrankungen sehr früh zu erkennen und erstmals auch wirklich kausal behandeln zu können. Andererseits beinhalten neuartige Diagnose- und Therapieansätze immer auch neuartige Risiken. Aus diesem Grund werden nicht nur methodische Grundlagen, sondern auch klinische Anwendungen und ethische Aspekte angesprochen. Die Teilnehmer wählen aus verschiedenen angebotenen Themen ein Vortragsthema aus, zu dem sie anhand aktueller Literatur eine zirka 60-minütige Präsentation vorbereiten. An diese schließt sich eine Diskussion des Themas in der Gruppe an, in die auch die Dozenten neueste Erkenntnisse und Perspektiven mit einbringen.
An der Ferienakademie wird auch ein Gastprofessor der Weill Cornell Medical School, New York, teilnehmen. Er wird sich an den Diskussionen beteiligen und seine klinische Erfahrung einbringen, sowie selbst einen Vortrag über sein Spezialgebiet halten (im letzten Jahr z.B. über kulturelle Aspekte in der Arzt-Patienten-Beziehung)
Alle Vorträge des Kurses finden in englischer Sprache statt.
Weitere Infos im Internet: