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Forschungs- und Lehreinheit Informatik V Ingenieuranwendungen in der Informatik, numerische Programmierung |
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Olga Taussky- Todd
| Lebenslauf |
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| Persönliche Daten | |||||
| Name | Olga Taussky- Todd | ||||
| geboren | 30. August 1906 in Olmütz (Mähren, heute östliche Tschechische Republik) | ||||
| gestorben | Oktober 1995 in Pasadena (USA), nach längerer Krankheit | ||||
| Nationalität | österreichische, tschechische Mathematikerin | ||||
| Eltern | jüdische Familie Vater war Industriechemiker und Journalist, vielseitig interessiert, aktiv, kreativ und als Berater von Firmen oft auf Reisen. Mutter war einfache Frau vom Land ohne höhere Bildung, doch voll von praktischer Intelligenz, die ihre Familie gut versorgen konnte. |
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| Geschwister | 2 Schwestern: Ilona (geb. 1905) und Hertha (geb. 1909) | ||||
| Ausbildungsdaten | |||||
| Schulausbildung | Volkshochschule Wien Mädchenrealgymnasium Linz |
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| Studium | 1925 Studium am Mathematischen Institut der Universität Wien | ||||
| Dissertation | Beginn:
Wintersemester 1927 Abschluss: 7. März 1930 Thema: Über eine Verschärfung des Hauptidealsatzes |
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| Lebensweg: | |||||
| 1909- 1916 | zog die Familie nach Wien, wo Olga zur Volksschule ging | ||||
| Mitten des ersten Weltkrieges | zogen sie weiter nach Linz, wo die Verhältnisse besser
waren und die Mädchen zum Mädchenrealgymnasium gingen. Das Ansehen der Lehrer war sehr hoch
und es gab öffentliche Vorträge der Lehrer über wissenschaft-liche
Themen, die die Familie Taussky oft besuchten.
Olga interessierte sich bereits jetzt für Mathematik und bewies einen
Satz über Polynomentwicklungen. Darüber hinaus war sie auch interessiert in Komponieren und
Schreiben von Gedichten. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass Olgas
herausragende Talente in den Naturwissenschaften und besonders in der
Mathematik lagen. Da ihr Vater stets bemüht war, die individuellen Begabungen seiner Töchter zu fördern, betraute er Olga sehr früh mit mathematischen Aufgaben: Sie ordnete seine Fachzeitschriften und entwickelte dafür sofort einen Algo-rithmus, der dem in heute verwendeten Computerprogrammen sehr ähnlich ist. In der Essigfabrik, in der ihr Vater als Direktor angestellt war, stellte sie diophantische Gleichungen auf für das Mischverhältnis von Essig und Wasser und zeichnete dafür übersichtliche Tabellen. Außerdem gab sie Nachhilfestunden und besserte sich mit all diesen Tätigkeiten ihr Taschengeld auf.
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| Im letzten Schuljahr starb ihr Vater. | |||||
| 1925 | maturierte sie und begann
trotz Geldprobleme ihr Studium am Mathematischen Institut der Universität
Wien. Letztendlich war ihre Liebe zur Mathematik für diese Entscheidung
ausschlaggebend, denn sie spielte auch mit dem Gedanken, wie ihre Schwester
Ilona Chemie zu studieren, was ihr zunächst Erfolg versprechender erschien. Sie besuchte Zahlentheorie bei Furtwängler und Vorlesungen bei Wirtinger, da sie besonders an Zahlentheorie und algebraischer Zahlentheorie interessiert war. Während ihres Studiums in Wien besuchte sie auch Vorlesungen anderer Professoren und Dozenten wie z.B. Hans Hahn, Alfred Mayer, Eduard Helly, sowie Lehrveranstaltungen in Astronomie, Chemie und Logik und Sitzungen des Wiener Kreises um Moritz Schlick. In ihrem Studium schloss sie Freund-schaft mit ihrem Studienkollegen Kurt Gödel. |
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| Im Winter-semester 1927 | begann sie mit der Arbeit an ihrer Dissertation bei Furtwängler, zunächst ohne spezifisches Thema, sondern nur allgemein Klassenkörpertheorie. Sie fühlte sich jedoch einsam und hilflos. Erst als es Furtwängler gelang, den Haupt-idealsatz zu beweisen, wurde er auch zugänglicher und hilfreicher und gab Olga ein konkretes Thema. Innerhalb kurzer Zeit hatte sie dann die Dissertation mit dem Titel: Über eine Verschärfung des Hauptidealsatzes vollendet. | Hauptidealsatz: Dieser Satz besagt, dass im absoluten Klassenkörper über einem algebraischen Körper alle Ideale zu Hauptidealen werden. Er wurde von Hilbert bereits um 1900 vermutet und widerstand ein Vierteljahrhundert lang allen Beweisversuchen. Furtwängler gelang es als erstem, diesen zentralen Satz, den Kernpunkt der Klassenkörpertheorie, zu beweisen. | |||
| 1927 | wurde durch Professor Karl Menger, der als außerordentlicher Professor nach Wien kam, das Mathematische Kolloquium gegründet, an dem Olga regelmäßig teilnahm. Die Hauptthemen dieser Gruppe waren Topologie, Logik, Mengenlehre, Ökonometrie und Olga wurde dazu verleitet, ihr eigentliches Gebiet zu verlassen, um sich einigen der im Kolloquium diskutierten Probleme zuzuwenden, so z.B. der Gruppentheorie. | ||||
| Um die Zeit bis zum 10. Semester zu überbrücken, in dem die Promotion erst erfolgen durfte, verbrachte sie einige Monate in Zürich bei einem Onkel, wo sie Fueter, Speiser und Polýa traf |
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| Am 7. März 1930 | promovierte sie. | ||||
| Am 30. Mai 1930 | trug sie zum ersten Mal im Rahmen der Wiener Mathematischen Gesellschaft über ihre Dissertation vor. | ||||
| Im September 1930 | fuhr sie mit dem
Mathematischen Kolloquium nach Königsberg zur Versammlung der Deutschen
Mathematischen Gesellschaft und hielt dort, mit großem Erfolg, zwei
Vorträge: "Über eine Verschärfung des Hauptidealsatzes" und "Eine metrische
Geometrie in Gruppen". Im Anschluss des ersten Vortrages, der den Inhalt ihrer Dissertation zum Thema hatte, kam zu einer heftigen Diskussion zwischen Emmy Noether und Helmuth Hasse, die beide auch an ähnlichen Problemen gearbeitet hatten, doch gerade Emmy Noether die Problematik eher von der algebraischen, abstrakten Seite sah. Darüber hinaus lernte Olga Arnold Scholz kennen, der ähnliche Interessen hatte wie sie. Einige Jahre später begann sie mit ihm eine Zusammenarbeit, die in einer großen gemeinsamen Studie ihren Höhepunkt fand. |
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| Ende 1930 | war es nahezu
unmöglich, in Wien eine Assistentenstelle zu bekommen. So stellte sich nach
Abschluss des Studiums für Olga die Frage, wo sie ihr Geld verdienen sollte.
Sie entschied sich, dennoch am Institut zu bleiben und leistete
unbezahlte Dienste für Furtwängler und auch für Hahn und Menger. Allein durch
Nachhilfestunden konnte sie ein wenig Geld verdienen. Sie wurde von Menger und Hahn gefördert, und schrieb gemeinsam mit Hahn die Rezension von Van der Waerdens Klassiker Moderne Algebra. Im Mathematischen Kolloquium hatte sie am 22. Januar 1931 die Möglichkeit, an der ersten Vorstellung des Gödelschen Satzes Über Vollständigkeit und Widerspruchsfreiheit teilzunehmen, der die mathematischen Welt noch lange beschäftigen sollte. |
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| Am 4. März 1931 | trug sie im Mathematischen Kolloquium Über ähnliche Abbildungen von Gruppen vor. | ||||
| Am 14. Sep-tember 1931 | gelang ihr der Durchbruch auf der nächsten Tagung der Deutschen Mathematischen Gesellschaft in Bad Elster, als sie eine Vortrag Zur Theorie des Klassenkörpers hielt und sich als Spezialistin in diesem schwierigen Gebiet erwies. | ||||
| Im Studienjahr 1931/32 | kommt Olga durch Hahn mit Courant in Göttingen in Kontakt und wurde für den 1. Band,
Zahlentheorie, der Gesammelten Werke von Hilbert gemeinsam mit Ulm und Magnus
von Courant in Göttingen beauftragt, den zahlentheoretischen Teil zu
bearbeiten. Schwerpunkt
war die Bearbeitung des berühmten Zahlberichtes, Die Theorie der algebraischen
Zahlen. Olga konnte somit das Studienjahr in Göttingen verbringen und
erhielt dort eine kleine Assistentenstelle. Bei der Aufgabe, den Zahlbericht durchzuarbeiten, bemerkte Olga, dass viele Bemerkungen und Vermutungen, die Hilbert im Zahlbericht aufgestellt hatte, nicht richtig waren, bzw. umgearbeitet werden mussten. Da sie sehr gewissenhaft arbeitete und die Fehler korrigierte, konnte der Band nicht rechtzeitig zum 70. Geburtstag Hilberts fertig gestellt werden, so dass nur der leere Einband überreicht werden konnte. Hilbert dankt Olga im Vorwort zum 1. Band ausdrücklich für ihre Arbeit, obwohl er ihre überaus gewissenhafte Arbeit und Anstrengung eigentlich nicht für notwendig empfunden hatte. Neben der aufwendigen redaktionellen Arbeit versuchte Olga so viel wie möglich von der anregenden Göttinger Atmosphäre aufzunehmen. Sie besuchte Vorlesungen von Artin, nahm am Seminar teil, das Emmy Noether extra für sie dem Thema Klassenkörpertheorie widmete und lernte viele der zahlreichen Gäste aus dem Ausland kennen z.B. O. Veblen, dem sie später die Einladung nach Bryn Mawr verdankte. |
Ihre Liebe zur Zahlentheorie hat sie in einem Gedicht ausgedrückt: Number theory seems greater [erschienen 1979 in dem Band Against infinity] |
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| Im Sommer 1932 | fuhr Olga zum Abschluss des Jahres
in Göttingen
gemeinsam mit Emmy Noether zum Internationalen Mathematiker-Kongress nach
Zürich. Zwischen den beiden Mathematikerinnen herrschte ein gutes
Verhältnis: Emmy sprach mit Olga über ihren Vortrag und Olga nimmt Emmys
Ratschlag- die abstrakte Theorie durch einige Beispiele zu illustrieren- auch
auf. Das Jahr in Göttingen ist für Olgas mathematische Entwicklung sehr wichtig gewesen, da sie sich als Mathematikerin etablieren konnte. Sie konnte sich mit vielen Kollegen über ihre Arbeit austauschen. |
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| Im Herbst 1932 | kam Olga Taussky nach Wien zurück,
aber sie erhielt
erst im nächsten Jahr, also 1933, durch Hahn und Menger eine kleine, schlecht bezahlte
Assistenten-stelle, die sie jedoch langweilte, da sie nach der interessanten
Zeit in Göttingen und der fruchtbaren Zusammenarbeit mit Kollegen dort in Wien keinen geeigneten
Gesprächspartner für ihr spezielles Gebiet fand. Furtwängler und Hahn
arbeiteten auf anderen mathematischen Gebieten.
Ihre Mutter und die jüngere Schwester waren inzwischen nach Wien umgesiedelt, und so konnte Olga wenigstens ihre Freunde und Kollegen zum Tee und zum Plausch nach Hause einladen. Die schlechte Arbeitssituation, selbst für die sehr guten Mathematiker, sollte sich in Wien in absehbarer Zeit nicht verbessern, und so bewarb Olga sich für ein Stipendium am Girton College in Cambridge, das sie zu ihrer Über-raschung auch erhielt. Gleichzeitig erhielt sie durch O. Veblen das Angebot, für ein Jahr nach Bryn Mawr zu kommen, einem Frauencollege im Osten der USA, in dem die mathematische Forschung einen hohen Stellenwert hatte. Inzwischen weilte hier, sehr zur Freude Olgas, auch Emmy Noether. Da sie das Stipendium nach England verschieben konnte, nahm sie zunächst dieses Angebot an. Sie reiste mit dem Schiff nach Amerika, in der Hoffnung, auf der langen Überfahrt ihr Englisch einigermaßen verbessern zu können. |
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| Im Herbst 1934 | verbrachte Olga das Studienjahr 1934/ 35 also in Bryn Mawr, wo sie gemeinsam mit Emmy Noether Seminare organisierte und sie Emmy auch regelmäßig nach Princeton zum Institute für Advanced Studies begleiteten durfte, wohin Emmy oft zu Vorträgen eingeladen wurde und was durch die vielen Emigranten, die inzwischen aus Nazi-Deutschland hier hergekommen waren, zu der zentralen Wirkungsstätte der Mathematik geworden war. Von der inspirierenden Atmosphäre und den interessanten Kollegen profitierte Olga sehr, jedoch war dieses Jahr durch die Krankheit und den Tod von Emmy Noether getrübt. |
Ihre Liebe zur Poesie hatte sie nicht vergessenen: Es steht die Olga vor der
Klasse, Die trepp hinauf und immer höher so werd ich keine Zeit
verlieren, [veröffentlicht in Davis, 1997] |
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| 1935 | trat sie ihr Stipendium, ein
Science Fellowship in Girton, Cambridge an. Sie wurde Fellow und konnte sich
nun vollständig der Forschung widmen, wobei sie überwiegend analytische
Zahlentheorie betrieb, da sich für die algebraische Zahlentheorie niemand
interessierte. Sie machte interessante Bekanntschaften unter anderem mit Hardy, Heilbronn und Davenport und hielt mehrere Vorträge bei der Royal Society of London. Bei den regelmäßigen Treffen anlässlich der Vorträge begegnete sie dem irischen angewandten Mathematiker John (Jack) Todd , der am Kings College tätig war und sich mit Numerischer Mathematik beschäftigte. |
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| 1937 | begann eine schwere Zeit für Olga. Eine Rückkehr nach Österreich kam wegen ihrer jüdischen Abstammung und des mittlerweile herrschenden politischen und gesellschaftlichen Klimas nicht in Frage und so musste sie sich eine neue Stelle suchen. Mit Unterstützung von Hardy und dem Girton College kam sie in der Londoner School unter. Dort bekam sie eine große Lehrverpflichtung aufgebürdet: 9 Kurse mit je ein bis zwei Stunden pro Woche. Da sie eine Auswärtige war, wurden ihr vor allem die Kurse aufgebürdet, die die anderen nicht halten wollten und zusätzlich war sie noch mit Hausaufgabenkorrekturen beschäftigt. Trotz der enormen Arbeitsbelastung blieb sie weiter wissenschaftlich tätig und hielt Kontakt mit den anderen Kollegen. | ||||
| 1938 | heiratete sie John Todd. | ||||
| 1940- 1944 | folgte kriegsbedingt eine
unbeständige, bewegte Zeit, in der sie mit ihrem Mann achtzehn mal
übersiedeln mußte. Zusammen mit ihrem Mann ging sie zunächst nach Belfast an die Queens University,
kehrte aber bald an die Londoner Universität zurück, wo sie bis 1944 blieb. Das Ehepaar wurde in die Kriegsfor-schung einbezogen, Jack Todd musste Kriegsdienst leisten. |
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| Ab 1943 | führte Olga den Titel scientific officer, Ministry of
Aircraft Production, London.
In dieser Zeit lernte Olga die Differentialgleichungen lieben, obwohl sie früher gegenüber Courant (damals in Göttingen) ihre Abneigung gegen dieses Gebiet bekundet hatte. Entscheidend für ihre weitere wissenschaftliche Tätigkeit wurde das Gebiete der Bestimmung von Eigenwerten und Eigenfunktionen. |
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| 1947 | erhielt das Paar eine
Einladung vom
National Bureau of Standards als Konsulenten in Mathematik für die Abteilung in Washington D.C. und am
Institut für Numerische Analysis am UCLA (University of California in Los
Angeles) zu arbeiten. Ungefähr zu gleichen Zeit arbeitete sie am Institute for Advanced Studies in Princton in der Gruppe von John von Neumann.
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| 1949-1957 | wurde das Angebot vom National Bureau of Standards (jetzt in New York) erneuert: Jack arbeitete als Abteilungs-leiter und Olga als mathematische Konsulentin. | ||||
| 1957 | erhielt das Ehepaar ein Angebot von CALTEC (Californian Institute of
Technology) in Pasadena bei Los Angeles. Die Zeit der vielen Umzüge war nun
endlich vorbei, hier fand das Forscherehepaar seine endgültige Heimstätte, von wo aus viele Reisen nach allen Richtungen
der Welt unternommen
wurden. Olga konnte nun endlich ihre Leidenschaft für die Wissenschaft in vollem Maß ausüben, sie hatte eine adäquate akademische Position, konnte Spezial-Vorlesungen halten und Schüler ausbilden. Sie bekam aber zunächst keine richtige Professur. Erst als in den frühen siebziger Jahren eine Chemikerin medienwirksam als erste Professorin von CALTECH gefeiert wurde, wurde sie formal befördert. |
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| 1958 | erwarb das Ehepaar ein Haus nahe vom CALTECH
und in nächster Nähe zu den Huntington Gardens. Zu dem Haus selbst gehörte
auch ein üppiger Garten mit Kakteen, Kumquats, Avokados und Zitronen, die
von Jack liebevoll gepflegt wurden. Im Haus selbst hatte jeder sein eigenes
Arbeitszimmer, angefüllt mit Papieren, Zeitschriftenartikeln und Büchern. Auch nach ihrer Emeritierung führte Olga, nun nicht mehr gestört durch akade-mische Verpflichtungen, ihre Unter-suchungen fort. Es waren ihr noch viele Jahre in guter Gesundheit vergönnt, in denen sie u. a. zahlreiche Reisen mit Jack unternahm. Sie wurde zunehmend als Galionsfigur für mathematisch tätige Frauen angesehen, und wurde in vielen Interviews dazu befragt. Im Gegensatz zu Emmy Noether, die bei Karrierefragen Männer bevor-zugte, hat sie ihre jungen Kolleginnen stets gefördert, aber nicht bevorzugt |
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| Am 7. Oktober 1995 | verstirbt Olga nach längere Krankheit, aber doch überraschend im Schlaf zu Hause. Sie wurde 89 Jahre alt. | ||||
| Ehrungen | |||||
| Olga Taussky war korrespondierendes Mitglied der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften und Inhaberin des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und
Kunst. 1980 fand die feierliche Erneuerung des Doktordiploms statt. Sie war Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Als erster weiblicher Fellow hat sie den Award M.A. Cambridge ex officio erhalten, wozu eine Statutenänderung nötig war. 1963 erhielt sie den Los Angeles Times "Woman of the Year" Award.
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| Privates Leben | |||||
| Olga Taussky- Todd war eine warmherzige, aber
auch strenge Person, die alle ihre Schüler und Freunde förderte. Unter
ihrer Leitung wurden mehr als 13 Dissertationen verfasst. Weitere Interessen Olga´s galten Mineralien, die sie sammelte, und Briefmarken mit dem Thema „Mathematik“. Im praktischen Leben war sie eher ungeschickt. Die Haushaltführung wurde großteils von Jack durchgeführt. Auch Orientierung war nicht ihre Stärke. Olga war eher klein und zart, sie war nicht besonders modisch, doch auch nicht uninteressiert an Mode. Sie liebte große Hüte und Schmuckstücke (z.B. Indianerschmuck). Sie wurde immer mehr zu einer Galionsfigur für mathematisch tätige Frauen, vielfach interviewt und beschrieben.
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| veröffentlichte Arbeiten | |||||
| Ein
kleiner Einblick aus ihren insgesamt 200 Arbeiten soll durch die folgende Liste
ermöglicht werden:
Sie beschäftigte sich u.a. ● mit den so genannten Verschärfungen des Hauptidealsatzes, ● gemeinsam mit Scholz mit dem Klassenkörperturm, ● mit dem berühmten Satz 90 und 94 aus Hilberts Zahlbericht, ● mit topologischer Algebra und Metrik in Gruppen, ● in einer großen Arbeit zusammen mit Zassenhaus mit der 1. Kohomologiegruppe der allgemeinen linearen Gruppe über einem Körper, ● mit J. Todd und Fan mit einem diskreten Gegenstück zur Wirtingerschen Ungleichung, ● mit Quaternionen (genannt sei ihre Definition der 2- zeiligen Determinante von Quaternionen, die eine interessante Determinanten- Identität liefert), ● mit Cayley- Zahlen, ● und am liebsten mit den Summen von Quadraten. Theorie der Matrizen: ● Sie hat gezeigt, wie sehr die Matrizenrechnung die verschiedensten Gebiete der Mathematik durchdringen kann. ● 1949 verfaßte sie eine Arbeit über die unendliche Hilbertsche Matrix 1/ (i+j). ● Sie verfaßte eine Arbeit über die Potenzen von Matrizen, die vom Standpunkt der topologischen Algebra aus behandelt werden. ● Sie beschäftigte sich mit Matrizenrechnung im Zusammenhang mit der Theorie der algebraischen Zahlkörper und dem Kreisteilungskörper und verfaßte 1940 gemeinsam mit ihrem Mann eine Arbeit über Matrizen endlicher Ordnung. ● Sie verfaßte zusammen mit Dade und Zassenhaus in den Mathematischen Annalen On the theory of orders eine große Arbeit über die Betrachtung der Halbgruppen der Idealklassen in einer Ordnung eines algebraischen Zahlkörpers und dessen Vergleich mit den arithmetischen Ähnlichkeitsklassen von ganzzahligen Matrizen. ● In weiteren Arbeiten untersuchte sie ganzzahlige symmetrische Matrizen, deren Determinante die Diskriminate eines algebraischen Zahlkörpers ist. Hier untersuchte sie die Eigenwerte dieser symmetrischen Matrix. ● Sie widmete sich ebenfalls den Kommutatoren von Matrizen im Zusammenhang mit den Untersuchungen von Jordan, Frobenius und Bieberbach. ● Sie führte Untersuchungen zum Thema: Wann ist die der Normalbasis eines Normalkörpers zugeordnete Matrix normal? und erledigte sie im Falle eines abelschen Zahlkörpers vollständig. Im allgemeinen Fall führt dies zu Untersuchungen über die Gruppenmatrix und es stellte sich heraus, dass die Gruppenmatrix einer Gruppe genau dann normal ist, wenn die Gruppe abelsch oder hamiltonisch ist. Ihre Vorliebe galten den Summen von Quadraten: ● Berühmt ist die Arbeit Sum of squares in den American Math. Monthly 77 (1970). Dafür erhielt sie den Ford- Preis der Mathematical Association of America ● Noch zu erwähnen ist die Arbeit: From Pythagoras theorem via sums of squares to the celistial mechanics. ● Zuletzt beschäftigte sie sich mit der Komposition von ternären quadratischen Formen, die im Allgemeinen nicht möglich ist, im speziellen Fall aber doch: Results concerning the compositon of sums of three squares. Hier werden Paare von ganzen Zahlen a und b studiert, welche Summe von 3 Quadraten sind und bei welchen a x b die gleiche Eigenschaft haben.
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Verschärfungen des Hauptidealsatzes Es sei K ein algebraischer Zahlenkörper, dann betrachtet man alle Oberkörper K’ über K deren Galoisgruppe über K abelsch und unverzweigt ist. Es gibt einen größten Oberkörper mit dieser Eigenschaft, der der Klassenkörper von K genannt wird, da seine Galoissche abelsche Gruppe isomorph ist zur Gruppe der Idealklassen in K. Der so genannte Hauptsatz besagt nun, dass alle Ideale in K im Klassenkörper zu Hauptidealen werden. Es kann nun vorkommen, dass in einem echten Unterkörper vom Klassenkörper, der aber K enthält, alle Ideale aus K zu Hauptidealen werden.
Eigenwerte der symmetrischen Matrix Ein Paar von Matrizen A, B mit den Eigenwerten λ bzw. μ besitzt die Eigenschaft L, wenn die Eigenwerte jeder Linearkombination von A, B Linearkombination der Eigenwerte von A und B sind. Dieses Paar hat die Eigenschaft P, wenn die Eigenwerte jedes Polynoms in A und B Polynome in den Eigenwerten von A und B mit den gleichen Koeffizienten sind.
Problemstellung: Wann ist A zu ihrer transponierten Matrix ähnlich, wenn dabei die Transformation ganzzahlig sein soll? Es seien A, B zwei ganzzahlige 2x2 Matrizen mit den Eigenwerten α und β, dann ist die Determinante des Kommutators eine negativerNorm, sowohl von dem Zahlkörper der von α als auch dem, der von β erzeugt wird.
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| Abschießende Frage: | |||||
| Wie schaffte Olga Taussky- Todd es, eine so erfolgreiche Mathematikerin zu werden? | |||||
| ● Sie ist sofort in eines der damals wichtigsten
mathematischen Gebiete
eingestiegen. ● Sie hatte einen berühmten Lehrer. ● Olga hat dass Prinzip der Sichtbarkeit von Beginn an konsequent verfolgt: Sie hat ihre interessanten Theoreme und Zusammenhänge anderen mitgeteilt, sowohl in Gemeinschaftsveröffentlichungen als auch allein verfassten Artikeln. Zudem hat sie Vorträge bei großen Kongressen und bei Fachtagungen gehalten. ● Olga hat zeit ihres Lebens äußerst intensiv Mathematik betrieben und war auch sehr streng mit Kollegen, die sich durch äußere Umstände wie Verwaltungsarbeiten von der Forschung ablenken ließen.
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Quelle:
Hlawka, Edmund: “Olga Taussky-Todd (1906-1995)”. Monatshefte für Mathematik 123 (1997), 189-201. (Mit Publikationsverzeichnis), 225-235. Springer-Verlag 1997