Seminar für überfachliche Grundlagen:
Mathematiker in der NS-Zeit

 

 

Thema: Verfolgte Mathematiker

 

 

Aufgabensteller:

Professor Huckle

 

Aufgabenbearbeiter:

Steffi Laemmle, Willy Tiabou, Christoph Bichlmeier

 

Termin des Vortrags:

21.5.2003

 

 

 

 

Vortrag:

Steffi Laemmle

 

Präsentation:

Steffi Laemmle

 

Ausarbeitung:

Willy Tiabou, Christoph Bichlmeier

 

Homepage des Seminars:

http://www5.in.tum.de/lehre/seminare/math_nszeit/SS03/

 

 

 

 

 

Liste verfolgter Mathematiker:

Gliederung:

 

 

1 Begriff "Verfolgung":
1.1 Warum Mathematiker - Zusammenhang zwischen Mathematik und Politik?
1.1.1 Wo wurden Mathematiker verfolgt?
Deutschland, Österreich ab 1938, Polen (Universität Prag)nach Einmarsch in Polens ab 1939

1.2 Weshalb wurde verfolgt?
1.2.1 Politische Einstellung:
1.2.2 Pazifistisch:
1.2.3 Regimekritisch:
1.2.4 Jüdisch, nichtarisch, "jüdisch-versippt":

1.3 Wie wird verfolgt, mit welchen Mitteln, mit welcher Legitimation?
1.3.1 Öffentliche Druckausübung durch Studentenboykott, Zeitungsartikel, öffentliche Briefe, Verschwörung:
1.3.2 Gesetze als Instrumente, um Verfolgung zu legalsierien:

1.4 Welche Konzequenzen mussten die betroffenen Mathematiker aus den politisch motivierten Maßnahmen gegen sie schliessen bzw. welche Folgen ergaben sich für sie?
1.4.1 Freiwilliger Austritt aus dem Beamtentum, Postenaufgabe:
1.4.2 Durch Gesetz bewirkter Austritt aus dem Beamtentum, Postenaufgabe:
1.4.3 Emigration:
1.4.4 Haft, Schutzhaft:
1.4.5 Freitod:
1.4.6 KZ, Tod:
1.4.7 Statistik:


1.5 Nachwort:

1.6 Literaturangaben

Gliederung

 

1 Begriff "Verfolgung":

Wir wollen zu Anfang den Begriff "Verfolgung" genauer definieren. Dieser findet Verwendung wenn in der Forschung von der Behandlung von, dem Hitlerregime unliebsamer Menschen in verschiedener Form und Ausmaß gesprochen wird. Als Verfolgung wird bezeichnet:

  • Schikanierung z.B. durch Studentenboykott
  • Denunzierung z.B. über Zeitungsberichte
  • Benachteiligung z.B. bei Beförderung
  • Ausschluss einer Universität
  • Entzug der Lehrbefugnis
  • vorübergehende Verhaftung(Schutzhaft)
  • Inhaftierung
  • Ermordung

 

Gliederung

 

1.1 Warum Mathematiker - Zusammenhang zischen Mathematik und Politik?


Welche Bedeutung hatten Mathematiker für die Nationalsozialisten? Diese Frage und somit auch die Frage nach den gesellschaftlichen und gesetzgeberischen Entwicklungen des Hitlerregimes auf diese Wissenschaft und ihre Vertreter soll hier kurz zusammengefasst werden.
Einerseits bestand in der nationalsozialistischen Vorstellung die Notwendigkeit der Mathematik für militärische Zwecke sowie organisatorische Aufgaben, andererseits widerstrebte der nationalsozialistischen Ideologie das sture Eintrichtern von Wissen. Vielmehr zielte sie auf "das Heranzüchten kerngesunder Körper" und "die Entwicklung des Charakters, besonders die Förderung der Willens- und Entschlusskraft verbunden mit der Erziehung zur Verantwortungsfreudigkeit und erst als letztes wissenschaftliche Schulung" (Hitlers „Mein Kampf“, 2. Band, München 1927, S.452).

Sogenannte Forscherguppen, die einem Ministerium wie z.B. dem Reichsluftfahrtministerium unterstanden, rekrutierten regimetreue Mathematiker aus den Universitäten, um z.B. die Aufrüstung voranzutreiben.
Mathematik im wissenschaftlichen Sinn war unwichtig geworden und ihre Vertreter unbequem.

Da den Mathematikern im fortschreitenden Kriegsverlauf wegen der Entwicklung neuer Technologien der Kriegsmaschinerie sowie der Spionage immer größere Bedeutung zukam, standen sie im Blickfeld der Behörden, die sichergehen wollten, dass es sich hierbei um regimetreue Menschen handelt, wie es 1933 im Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums (BBG) in § 4 formuliert wurde. Hierbei waren ausschließlich verbeamtete Mathematiker, wie wissenschaftliche Mitarbeiter an Universitäten und Professoren betroffen. Beamte, die nicht "jederzeit rückhaltlos für den Nationalen Staat" eintraten, konnten nach dem Gesetz entlassen werden.

 

Gliederung

 

1.1.1 Wo wurden Mathematiker verfolgt?

Nahezu alle Berufsgruppen litten unter den Repressalien der Nationalsozialisten, und unter ihnen auch die Mathematiker.

Aber auch in Österreichs Universitäten wurde nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich, Verfolgung betrieben.
Kurt Gödel, Robert Musil, Karl Menger wurden in Folge dessen ins Exil getrieben.
Nachdem Alfred Tauber der Universitätsdirektion mitteilen musste, dass ein Nachweis seiner arischen Abstammung unmöglich sei, fand sich sein Name auf der Liste jener, die nicht den Diensteid auf Hitler geleistet hatten. Später wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und starb.
Verfolgung und Ermordung fand auch außerhalb der Universität statt, z.B. wurde der Mathematiklehrer Viktor Sabbath vom Chajesgymnasium in Wien von den Nazis ermordet.

1939 begann mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht auch in Polen die verbrecherische Germanisierungspolitik. Am 17. November 1939 erschoss die Gestapo in Prag auf Grund direkter Einwirkung Hitlers neun Studenten, verhaftete mehr als 1300 Personen und verschleppte über 1000 Personen ins KZ. Im Schatten dieses Ereignisses entwickelte sich in Bezug auf Prag eine Wissenschaftspolitik, an der sich alle maßgebenden partei- und regierungsamtlichen Stellen beteiligten. Deren wechselvoller und verworrener Verlauf fiel an kaum einer anderen Universität so repräsentativ aus wie an der Deutschen Universität in Prag.
Georg Pick wurde am 13. Juli 1942 in das Konzentrationslager Theresienstadt in Nordböhmen deportiert, wo er vierzehn Tage später verstarb. Ludwig Berwald wurde am 22. Oktober 1941 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto von Lodz deportiert.
Tadeusz Wazewski befand sich in Krakau als er verhaftet und ins Konzentrationslager Sachsenhausen-Oranienburg in Berlin gebracht wurde, in dem er zwei Jahre überlebte. Antoni Hoborski, der wie Tadeusz Wazewski Mathematikprofessor an der Jagiellonian Universität in Krakau war, verstarb im Sachsenhausen Oranienburg Konzentrationslager im Februar 1940. Kazimierz Zarankiewicz von der Universität Warsaw hielt Vorlesungen in der Untergrunduniversität und wurde von den Nazis in ein Laborlager nach Deutschland geschickt.

 

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1.2. Aus welchen Gründen wird denunziert, verfolgt?

Die Menschen, die nicht in die Ideologie des Nationalsozialismus passten oder sich nicht einfügen wollten, wurden unter Hitler auf verschiedenste Art und Weise verfolgt.

 

 

 

1.2.1. Politische Einstellung:

Einige Mathematiker ließen ihre antinationalsozialistische Haltung erkennen und wurden meistens von den Nationalsozialisten als Regimegegner betrachtet. Felix Bernstein, der zeitweise stellvertretender Vorsitzender der linksliberalen Göttinger deutschen Demokratischen Partei DDP war, und Richard Courant propagierten bei der Wahl zur Nationalversammlung am 19.1.1919 öffentlich gegen bürgerliche Parteien.
Otto Blumenthal war Mitglied des "Vereins der Freunde des neuen Russlands". Dieser vermutete Ausdruck einer intellektuellen Offenheit, wurde von den Nazis als offene Sympathie gegenüber dem verhassten Kommunismus gedeutet.
Emmy Nöther, die in der Weimarer Republik politisch in der USPD, später dann in der SPD aktiv war, galt als Kommunistin. Friedrich Hopfner war als liberal bekannt.
Im Frühjahr 1933 bezeichneten die Nationalsozialisten das mathematische Institut von Göttingen als "Hochburg des Marxismus" (wobei man wissen sollte, dass "Marxismus" von den Nazis als kommunistische politische Position nahe der damals ebenso verachteten sozialdemokratische Partei war). Ebenso befand sich Erich Kamke, unter anderem wegen seiner demokratischen Überzeugung, in der Kritik der Nationalsozialisten.

 

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1.2.2. Pazifistisch:

Der Einfluss des Nationalsozialismus auf die Bevölkerung und das öffentliche Leben war groß und unübersehbar. Die offensichtlich militärischen Züge des Hitlerregimes ließen den Kriegsausbruch schon vor jeglicher Kampfhandlung erahnen. Im Anbetracht dieses Hintergrundes bildeten sich verschiedene Organisationen um das Regime zu bremsen. Verschiedene Gründe waren hierfür ausschlaggebend: Zum einen wollte man den Frieden wahren, zum anderen hatte man Mitleid mit den Menschen, die wegen ihrer Herkunft oder ihres Glaubens von den Nazis geächtet wurden. Einige führten einen regelrechten Kampf für eine bessere Behandlung der Menschen im Allgemeinen, andere wollten die Ehre Deutschlands retten. Hans Rademacher und Fritz Noether waren in der Liga für Menschenrechte tätig. Rademacher war außerdem eine wichtige Figur im Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Carl Ludwig Siegel, der den Kriegswillen der Nationalsozialisten weder passiv noch aktiv mittragen mochte, emigrierte über Norwegen in die USA. Auch Emil Julius Gumbel hatte eine für die Nazis unbequeme pazifistische Anschauung, die er zu verbreiten versuchte.

 

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1.2.3. Regimekritisch:

Als die Auswüchse des Nationalsozialismus immer schlimmer wurden, wie z.B. militärisch gestaltete Massenkundgebungen, offener, von den Behörden unterstützter Antisemitismus, die Pflicht des Hitlergrusses und die gegenseitige Bespitzelung der Bevölkerung, erkannten viele die Gefahr, die von Hitler ausging und letztendlich in Krieg und Holocaust enden würde. Die Wenigsten hatten den Mut sich gegen die Politik auszusprechen, und die, die es wagten, mussten mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. Ernst Zermelo z.B. wurde die Verweigerung des Hitlergrusses zum Verhängnis. Der entschiedene Nazigegner Erich Kamke verweigerte kategorisch jeglichen Ausdruck der Akzeptanz des Hitlerregimes und wurde unter anderem deswegen verfolgt.

 

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1.2.4. Jüdisch, nichtarisch, "jüdisch-versippt:

Der schon im 19. Jahrhundert weit verbreitete Antisemitismus erreichte nach dem 1. Weltkrieg einen traurigen Höhenpunkt. Hitler nutzte das öffentliche Verlangen nach einem Sündenbock für den verlorenen Krieg, den man in der Heimat nicht verstehen mochte, da der Feind doch nie die deutschen Grenzen überschritt. Die vielen finanziell gut betuchten jüdischen Akademiker und Geschäftsleute waren den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Die, dem Krieg folgende Wirtschaftskrise in Deutschland und die daraus resultierenden Existenzängste der Menschen waren idealer Nährboden für die Politik Hitlers, um das Idealbild der "germanischen Herrenrassen" zu stilisieren und die öffentliche Aggression auf das Judentum zu lenken.
Speziell die Universität Frankfurt, deren lehrendes Personal zu einem Drittel jüdischer Abstammung war, wurde als "Juden-Universität" bezeichnet und somit an den Pranger gestellt.
Im Nationalsozialismus wurden in den Jahren 1933-1934 nach der Statistik von Nobert Schappacher 46 jüdische Mathematiker aus deutschen Universitäten vertrieben.
Unter andern mussten Otto Blumenthal, Emil Julius Gumbel, Otto Toeplitz, Fritz Noether, Ludwig Hopf, Erich Kamke, Robert Remak und Edmund Landau unter dem antisemitistischen Druck der Nationalsozialisten leiden.

 

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1.3. Wie wird verfolgt, mit welchen Mitteln, mit welcher Legitimation?

Dem Regime kritisch gesinnte und jüdische Mathematiker wurden den Repressalien durch die nationalsozialistische Öffentlichkeit in Deutschland, der Bevölkerung und den Medien ausgesetzt. Dazu zählen vorrangig Rufmord und Hetze in Zeitungen und an der Universität gegen Professoren. Diese rechtfertigten zunächst ihre Position und versuchten, Stand zu halten, mussten aber dann, wenn einmal der "Volkszorn" erwacht war, resigniert ihre von Studenten boykottierten Vorlesungen einstellten. Mit legislativen Maßnahmen, wie dem Gesetz zur Wiederherstellung des Beamtentums und den Rassengesetzen legitimierte Hitler die Verfolgung unliebsamer Mathematiker.

 

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1.3.1. Öffentliche Druckausübung durch Studentenboykott, Zeitungsartikel, öffentliche Briefe, Verschwörung:

Schon bevor Gesetze die Schikanierung und Ausgrenzung unliebsamer Mathematiker judikativ legalisierten, wurden von Seiten nationalsozialistischer Studentenverbänden (1*) und Medien die Verfolgung vorangetrieben. Studenten riefen zum Boykott von Vorlesungen bestimmter Professoren auf (Edmund Landau, Arthur Rosenthal). Zeitungen denunzierten Fakultäten und teilweise Professoren namentlich (2*). Jüdische, pazifistische, Mathematiker mit sozialistischer oder gar kommunistischer Präferenz wurden durch Kollegen mit Disziplinarverfahren oder Ignorieren bei Promotions- und Habilitationsverfahren gemoppt. Die meisten hielten dem Druck des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) und der nationalsozialistischen, akademischen Kollegen nicht Stand oder wollten sich nicht weiter schikanieren lassen und verließen oft freiwillig ihre Stellen.

1*:
Gründung des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB) im Februar 1926.
1931 entschlossen sich insgesamt 44,6% aller studentischen Wähler der deutschen Universitäten für die nationalsozialistische Liste. 1932 stieg diese Zahl noch auf 49,1%. Ähnliche Ergebnisse wurden auch an den Technischen Hochschulen erzielt.
2*:
Otto Blumenthal
wird in einem Artikel des Westdeutschen Grenzblatt im Zusammenhang mit dem Begriff "Salonbolschewismus" erwähnt.

 

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1.3.2. Gesetze als Instrumente, um Verfolgung zu legalisieren:

Im Rahmen der Nürnberger Rassengesetzte und mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wurde eine Legitimierung der Maßnahmen gegen missliebige Menschen im Einflussbereich der Nationalsozialisten erwirkt.
Diese Gesetze waren dabei so formuliert, dass man in jeden Fall einen Grund fand, die Personen zu verfolgen, die man für gefährlich, unbequem oder überflüssig befand
(siehe Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums:§6 oder Gesetz über die Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlass des Neuaufbaus des deutschen Hochschulwesen:§§3,4).

Zusammenstellung aller gewichtigen Gesetze bezüglich der Verfolgung von Mathematikern:

7.4.1933 Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums:

  • Arier-Paragraph §3
  • Vorrangig aber Entlassung durch politische Unzuverlässigkeit
  • §4: Entlassung von Beamten, die nicht jederzeit „rückhaltlos für den Nationalen Staat einzutreten“ bereit waren.
  • Gummiparagraph §6 Versetzung in den Ruhestand zur „ Vereinfachung der Verwaltung“.
  • §5 Herabstufung oder Versetzung Beamter an andere Orte.
  • Ausgenommen von §3 :Nicht-Arier, die schon vor 1914 Beamte waren, oder im ersten WK als Frontkämpfer gedient hatten. Entlassung falls nötig mit §6
  • Klima großer Unsicherheit
  • §4 Einschüchternde Wirkung

ENTLASSUNGEN NACH DIESEN PARAGRAPHEN

21.1.1935 Gesetz über die Entpflichtung und Versetzung von Hochschullehrern aus Anlass des Neuaufbaus des deutschen Hochschulwesen:

  • §3,§4 Versetzung oder Entbindung von amtlichen Verpflichtungen von Professoren, „wenn es das Reichsinteresse erfordert“.
  • §1,§2 mit Vollendung des 65.Lebensjahres Versetzung in Ruhestand

ENTLASSUNGEN NACH DIESEN PARAGRAPHEN

  • §4 keine Entlassungen von Mathematikern
  • §1 Felix Hausdorff Anfang 1935 (66.Lebensjahr,jüdischer Abstammung)

15.9.1935 neue Rassengesetze:

  • Reichsbürgergesetz(RBG) §2 „Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen und artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, dass er gewillt und geneigt ist, in Treue dem Deutschen Volk und Reich zu dienen.“
  • Durchführungsverordnung zum RGB: „Jüdische Beamte treten mit Ablauf des 31.Dezember 1935 in den Ruhestand.“

26.1.1937 Neues deutsches Beamtengesetz:

  • §59 „Beamter ist zu entlassen, wenn er oder sein Ehegatte nicht deutschen oder artverwandten Blutes ist..“
  • nicht angewandt um „jüdisch versippte“ Beamten zu entlassen: andere Methode:

19.4.1937 „Flaggenerlass“:

  • Beamte, die in „deutsch-jüdischer Mischehe“ leben, dürfen nicht die Nationflagge hissen.“Da dieser Zustand nicht tragbar ist, ist der jüdisch versippte Beamte gemäß §6 BBG in den Ruhestand zu versetzen.“

ENTLASSUNGEN NACH DIESEM ERLASS

 

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1.4. Welche Konsequenzen mussten die betroffenen Mathematiker daraus schließen?

 

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1.4.1. Freiwilliger Austritt aus dem Beamtentum, Postenaufgabe:

Seit der Machtergreifung Hitlers betrachteten viele Mathematiker die Entwicklung des neuen Regimes mit Misstrauen. Einige unter ihnen, darunter Ernst Zermelo, waren bald nicht länger bereit, die Missstände in Deutschland zu ertragen und gaben ihren Posten an der Universität als Akt des politischen Protestes auf.
Viele jüdische Mathematiker (u.a. auch Paul Epstein) ahnten bereits, dass ihnen der Antisemitismus eine weitere Forschung bald unmöglich machen würde und kamen durch ihr Gesuch um Emeritierung ihrer Entlassung zuvor. Auch Mathematiker, wie Herrman Weyl, die unter „rassischen Gesichtspunkten“ den „arischen Vorstellungen“ der Nazis entsprachen, aber einen jüdischen Ehepartner hatten, mussten durch die zunehmende Diskriminierung und Verfolgung der Juden bald um die Sicherheit ihrer Familien fürchten. Viele von ihnen entschlossen sich deshalb zur Aufgabe ihres Posten an der Universität, um ihren Angehörigen im Ausland ein sicheres Leben bieten zu können.
Ein Großteil der „freiwilligen“ Rücktritte wurde allerdings auch durch öffentlichen Druck bewirkt. Vorlesungsboykotts von Seiten nationalsozialistischer Studenten waren Aktionen, die bei den Ministerien oft unverhohlene Billigung fanden und viele Professoren dazu zwangen, selbst um ihre Emeritierung oder Pensionierung zu ersuchen. Entsprechende studentische Aktionen lassen sich zumindest in den Fällen der Mathematiker Otto Blumenthal, Arthur Rosenthal, Friedrich Willers und Edmund Landau nachweisen.

 

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1.4.2. Durch Gesetz bewirkter Austritt aus dem Beamtentum, Postenaufgabe:

Die Pseudo-Legalisierung der neuen Hochschulgesetze, die auf den traditionellen Untertanengeist der wissenschaftlichen Beamten setzte, wurde ergänzt durch eine Atmosphäre willkürlicher Beschuldigung und Denunziation durch Studenten oder Kollegen. Zentrale pseudogesetzliche Handhabe für die Entlassung von Hochschullehrern war das berüchtigte Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.April 1933. §3 forderte die sofortige Entlassung oder Pensionierung jüdischer Beamter. Nach § 3 wurden u.a. Emmy Noether und Ludwig Hopf entlassen. Ein Klima großer Unsicherheit schuf die willkürliche Handhabung der verschiedenen Paragraphen. Behörden hielten sich oftmals selbst nicht an den Gesetzestext, entließen Wissenschaftler trotz der Ausnahmeklausel in §3, die Altbeamte und Frontkämpfer von Entlassung ausnahm, um sie dann bisweilen vorübergehend wieder einzustellen. Auf gleicher Ebene lag die Anwendung des Gummiparagraphen 6, der oftmals zur Entlassung politisch missbeliebiger Wissenschaftler benutzt wurde. Weitere Mathematiker, die nach dem BBG entlassen wurden sind Felix Bernstein, Otto Blumenthal, Hans Rademacher, Max Dehn.
Über die folgenden Jahre verschärfte sich die antisemitische Gesetzgebung kontinuierlich. In der Folge des Reichsbürgergesetzes vom September 1935 wurde unter anderem die Ausnahmeklausel des §3 des BBG aufgehoben. 1937 wurden durch den Flaggenerlass verstärkt Mathematiker mit „nicht-arischen“ Partnern verfolgt und entlassen. Von diesem Erlass betroffen waren Emil Artin in Hamburg, Erich Kamke in Tübingen, Johannes Müller in Bonn und Theodor Pöschl in Karlsruhe.

 

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1.4.3. Emigration:

Zahlreiche Mathematiker, die wegen ihrer jüdischen Abstammung oder politischen Unangepasstheit aus ihrem Amt entlassen wurden oder freiwillig zurücktraten, kehrten Deutschland den Rücken und flohen ins Ausland. Nur so war es den meisten von ihnen möglich, ihr Leben zu retten. Den Emigranten aus dem Hitlerschen Machtbereich wurden - soweit sie die deutsche Staatsbürgerschaft besaßen - erhebliche Hindernisse von deutscher Seite bei der Beantragung eines Ausreisevisums in den Weg gelegt. Sie mussten die sogenannte Reichsfluchtsteuer bezahlen und weitgehend auf Vermögen und Vermögensansprüche verzichten. Zahlreiche Entlassene (Edmund Landau, Issai Schur, Otto Toeplitz) versuchten wegen ihrer emotionalen Bindung an die Heimat die Auswanderung so lange wie möglich hinauszuzögern. Die Emigrationschancen wurden allerdings mit zunehmender Zeitdauer des Naziregimes immer schlechter. Aus diesem Grund war vielen Wissenschaftlern, die mit der Emigration zu lange warteten, eine Flucht ins Ausland später nicht mehr möglich. Gescheiterte Emigrationsversuche sind u.a. von Otto Blumenthal, Felix Hausdorff, Robert Remak und Alfred Tauber bekannt. Dennoch kann man bei den meisten Wissenschaftlern von „privilegierten Opfern“ sprechen, da sie unter die Ausnahmeklausel des strengen, amerikanischen Einwanderungsgesetzes fielen, falls sie eine Beschäftigungmöglichkeit in den USA nachweisen konnten. Die Vereinigten Staaten wurden für über die Hälfte der nach 1933 emigrierten deutschsprachigen Mathematiker zum endgültigen Zufluchtsland. Nach Amerika waren Großbritannien und Palästina die Länder, die die meisten geflohenen Mathematiker aufnahmen.
Das Alter der Emigranten spielte beim Erfolg der Eingliederung im Ausland eine wichtige Rolle. Die Ältesten unter den Vertriebenen (Felix Bernstein, Max Dehn, Arthur Rosenthal) waren im Ausland am wenigsten erfolgreich und gelangten trotz prominenter Vergangenheit nicht mehr zu ordentlichen Professuren. Den jüngeren Mathematikern gelang es teilweise besser, sich den neuen Gegebenheiten im Ausland anzupassen und sie halfen beim Aufbau wichtiger mathematischer Zentren, unterstützt durch bereits immigrierte oder amerikanische Kollegen. Besonders Richard Courant half vielen deutschen Mathematikern bei der Eingliederung in die amerikanische Gesellschaft. Aus den Familien von Alfred Brauer und Abraham Wald, die beide in die USA emigrierten, wurde jeweils ein Familienmitglied von den Nazis ermordet.

 

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1.4.4. Haft, Schutzhaft:

Besonders nach dem antisemitischen November-Pogrom von 1938 wurden viele Juden von der Gestapo in „Schutzhaft“ genommen. Der von den Verhaftungen betroffene Personenkreis war im voraus festgelegt: Nach Heydrichs Befehl waren "gesunde männliche Juden nicht zu hohen Alters" festzunehmen, besonders "wohlhabende", womit der finanzielle Hintergrund der Aktion enthüllt wird. Gezielt wurden prominente Gemeindemitglieder verhaftet und damit auch die jüdische Selbstorganisation und möglicher Widerstand geschwächt. Betroffen war hier u.a. auch der Berliner Mathematiker Robert Remak, der in der Reichskristallnacht von der Gestapo verhaftet wurde. Auch der Aachener Professor Ludwig Hopf konnte 1938 nur knapp einer Verhaftung entgehen. Die Freilassung der, im Rahmen des Novemberpogroms Verhafteten, geschah in mehreren Wellen: Zunächst wurden Ende November alle Frontsoldaten entlassen. Dann folgten zum 12. Dezember alle über 50 Jahre alten Schutzhäftlinge. Auch Robert Robert Remak wurde nach acht Wochen im KZ Sachenhausen wieder entlassen. Bei der Entlassung hatten die Häftlinge ein Revers zu unterschreiben, in dem sie sich unter Androhung von erneuter KZ-Haft verpflichteten, über alles im Lager Erlebte stillschweigen zu bewahren. Nach der Heimkehr in ihren Wohnort unterlagen die ehemaligen Häftlinge der polizeilichen Meldepflicht. Dabei ging es nicht nur um eine Kontrolle des Aufenthaltsortes, sondern auch der Bemühungen zur Auswanderung. Ebenfalls verhaftet wurde Otto Blumenthal.

 

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1.4.5. Freitod:

Selbstmord
Einige Mathematiker, die keinen Ausweg mehr aus ihrer unerträglich gewordenen Lebenssituation sahen, griffen zum letzten Mittel um der Macht Hitlers zu entgehen und wählten den Freitod. Nach ihrer Entlassung von Universitäts-Posten sahen vereinzelte Wissenschaftler keinen Sinn mehr im Leben und brachten sich um.
Vor allem aber jüdische Mathematiker, die nach ihrer Entlassung nicht emigrieren konnten oder wollten, kamen oftmals durch Suizid der Ermordung durch die Nazis zuvor. (Paul Epstein, Felix Hausdorff)

 

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1.4.6. KZ, Tod:

Mit fortschreitender Dauer des Hitler-Regimes, nahm die Judenverfolgung immer extremere Formen an und alle Juden, denen die Flucht ins Ausland nicht mehr gelang, wurden in Konzentrationslager deportiert. Auch vor berühmten jüdische Wissenschaftler, wie Otto Blumenthal und Robert Remak, die nach Holland geflohen waren, machte das Schreckensregime keinen Halt. Nach der Besetzung der Niederlande wurden beide von den Nazis verhaftet, in ein KZ gebracht und dort ermordet. Alfred Tauber starb im KZ Theresienstadt. Robert Remak, der zunächst zwischen 1938-1939 das KZ Sachsenhausen überlebte, verstarb 1942 im KZ Auschwitz. Ludwig Berwald kam im Ghetto von Lodz um. Stefan Schwarz überlebte die Haft in den Konzentrationslagern Oranienburg-Sachsenhausen und Buchenwald.
Tadeusz Wazewski, der ebenfalls im KZ Oranienburg-Sachsenhausen inhaftiert war, überlebte ebenso wie Jean Leray, der in einem Kriegslager in Österreich 1940 bis Kriegsende 1945 gefangen gehalten wurde und Ernst Hellinger, der sich im KZ Dachau befand. Kazimierz Zarankiewicsz schickten die Nazis in ein Arbeitslager in Deutschland und überlebte. Alfred Renyi wurde 1944 in einem Arbeitslager gefangen gehalten und entkam. Paul Turan verbrachte von 1941 bis 1944 32 Monate in einem Naziarbeitslager in Ungarn und überlebte die Strapazen

 

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1.4.7 Statistik:

Vertreibung von Universitätsmathematikern im Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1937(nach Norbert Schnappenbacher aus dem Buch Mathematiker auf der Flucht vor Hitler von Reinhard Siegmund-Schultze):

 

 

Gesamt

Ordinarien

Bestand:

1931

197

97

Verluste:

1933-1934

35 (30)

15 (11)

 

1935-1936

19 (16)

11 (10)

 

1937

5 (0)

3 (0)

 

 

 

 

 

Summe

59 (46)

29 (21)

Die in Klammern angegebenen Zahlen stellen die Anzahl der Mathematiker jüdischer Abstammung dar.

 

 

 

1.5 Nachwort:

Da in der NS-Zeit in Deutschland jede Person, die dem Regime kritisch gesinnt war oder nicht den arischen Kriterien des nationalsozialistischen Ideals entsprach, mit der Bedrohung durch Hitlers Anhänger konfrontiert war, stellte es sich als schwierig heraus, die spezielle Rolle der Mathematiker in dem, von den Nationalsozialisten ausgelösten Prozess zu erkennen.

Die Gliederung unserer Ausarbeitung sowie des Vortrags, sollte zeitlich veranschaulichen, wie sich die gesellschaftliche Lage in Deutschland verschlimmert hat. Außerdem sollte übersichtlich dargestellt werden, mit welcher Begründung und in welcher Form die Menschen verfolgt wurden und welche Konsequenzen sich daraus für sie ergaben.

Die zugegeben knappen Biographien reichen keineswegs aus, die Leistungen dieser Mathematiker zu würdigen. Wir konzentrieren uns vorwiegend auf ihre Schicksale, verursacht durch Verfolgung im Nationalsozialismus.

 

 

 

1.6 Literaturangaben:

Buch:
Mathematiker auf der Flucht vor Hitler von Reinhard Siegmund-Schultze

Quellen aus dem Internet:
http://science.orf.at/science/news/23003 (Wiener Math)
http://www.ub.uni-heidelberg.de/helios/fachinfo/www/math/zitat/rosenthal-em.htm
http://at.yorku.ca/t/o/p/c/71.htm
http://www.math.purdue.edu/generalInfo/newsletter/winter99/article07a_golomb.html Golomb
http://www.math.uni-frankfurt.de/~steuding/schwarz/dehnmat3.pdf
http://www.gslis.utexas.edu/~landc/fulltext/LandC_34_1_Sroka.pdf
http://webhost.math.rochester.edu/sums/ Segal Mathematicians under the Nazis
http://at.yorku.ca/t/o/p/c/72.htm
http://www.maa.org/reviews/rockefeller.html
http://www.uni-protokolle.de/buecher/isbn/3528069937/
http://www.mathematik.uni-bielefeld.de/DMV/archiv/geschichte.html
http://www.aleph99.org/etusci/ks/t2a2.htm
http://www.biography-center.com

 

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Liste von Mathematikern:

Liste der Mathematiker mit kurzer Biografie:

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Otto Blumenthal
Paul Epstein
Emil Julius Gumbel
Fritz Nöther
Emil Artin
Erich Kamke
Felix Hausdorff
Felix Bernstein
Ludwig Hopf
Max Dehn
Robert Remak
Arthur Rosenthal
Emmy Noether
Edmund Landau

Richard Courant
Herrman Weyl
Friedrich Willers
Ernst Zermelo
Carl Ludwig Siegel
Kurt Gödel

Otto Toeplitz
Karl Menger
Ludwig Berwald
Alfred Tauber
Paul Turan

Alfred Renyi
Jean Leray
Stefan Schwarz
Tadeusz Wazewski
Kazimierz Zarankiewicsz
Ernst Hellinger
Issai Schur
Alfred Brauer
Abraham Wald

Otto Toeplitz (1881 Breslau - 1940 Jerusalem)

Toeplitz entstammte einer jüdischen Familie. Sein Vater war ein Gymnasiumslehrer. Toeplitz studierte Mathematik in Breslau und Göttingen und wurde 1905 mit einer Arbeit über "Systeme von Formen, deren Funktionaldeterminante identisch verschwindet" promoviert. 1907 habilitierte er sich an der Universität Göttingen, und wurde 1914 a.o, 1920 o.Prof. an der Universität Kiel und lehrte seit 1928 an der Universität Bonn. 1933 musste er jedoch als Jude seine Professur aufgeben. Danach betätigte er sich für die Bonner Jüdische Gemeinde, organisierte unter anderen die Emigration von Studenten; 1935-1939 war er Leiter der Hochschulabteilung der Reichsvertretung der deutschen Juden. 1939 emigrierte er nach Palästina und lehrte an der Hebräischen Universität Jerusalem. Toeplitz arbeitete insbesondere auf dem Gebiet der Algebra und Anlysis.

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Liste

Ludwig Berwald (1883 Prag - 1942 Lodz, Poland)

Ludwig Berwald besuchte ab 1893 das k. u. k. Gymnasium am Graben in Prag, wo er als Schüler mit deutscher Muttersprache geführt wurde. 1899 zog die Familie nach München um, wo Ludwig 1902 am k. Luitpold-Gymnasium (heute Einsteingymnasium) das Abitur ablegte. Anschließend studierte er Mathematik und Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität und der Technischen Hochschule in München. Die Beziehungen nach Prag bringen ihn in Kontakt mit Georg Pick und Gerhard Kowalewski, die ihm eine akademische Zukunft an der Deutschen Universität in Prag ermöglichen. Am 22. Oktober 1941 wurde er zusammen mit seiner Frau in das Ghetto von Lodz deportiert, wo er 1942 am 20. April vier Wochen nach seiner Frau verstarb und dadurch dem Transport in das Todeslager Majdanek entging.

 

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Liste

Paul Turan 1910 (in Budapest, Hungary) - 1976 (in Budapest, Hungary) Bild ---->

Der Ph.D. von Paul Turan wurde von Fejer beaufsichtigt. Als Jude fand er keine Arbeit. Von 1941 bis 1944 verbrachte er 32 Monate in einem Naziarbeitslager in Ungarn. Ab 1949 war er Professor an der Universität von Budapest. Die erste Arbeit von Turan basierte auf wahrscheinliche Zahlentheorie, 1938 entwickelte er die sum-power Methode. Er arbeitete ebenfalls während seinem Aufenthalt in einem Arbeitslager an der Graphentheorie und zusammen mit Erdös an der statistischen Gruppentheorie.

 

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Liste

Karl Menger (1902 Wien - 1985 Chicago)

Menger besuchte das Doblinger Gymnasium, studierte Mathematik an der Universität Wien und habilitierte sich 1925 an der Universität Amsterdam. 1928-1936 lehrte er als Prof. der Geometrie an der Uni Wien, anschließend als Prof. der Mathematik an der University of Notre Dame in Indiana (USA). 1946 folgte er einem Ruf an das Illinois Institute of Technology in Chicago, an dem er bis zu seiner Emeritierung 1971 wirkte. Menger beschäftigte sich mit vielen Bereiche der Mathematik. Die meisten seiner Arbeiten betrafen aber die Topologie insbesondere die Dimensionstheorie.

 

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Alfred Renyi (1921-1970) Bild ---->

Alfred Renyi startete statt mit einer wissenschaftlichen Ausbildung vorerst mit einer Literarischen. 1944 wurde er in einem faschistischen Arbeitslager gefangen gehalten, schaffte es aber zu entkommen. Er erhielt falsche Papiere und hielt sich sechs Monate versteckt. In dieser Zeit wurden seine Eltern im Budapester Getto gefangen gehalten. Alfred rettete sie unter abenteuerlichen Umständen vor einem schlimmeren Schicksal. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs ernannte man Alfred Renyi in Szeged unter F. Riesz für die Arbeit über Cauchy-Fourier Reihen zum Doktor der Philosophie. Später ging er nach Russland und arbeitete mit Linnik an der Zahlentheorie, vor allem an der Goldbachschen Vermutung. Nach seiner Rückkehr nach Ungarn, beschäftigte er sich mit Wahrscheinlichkeitsrechnung, die das Hauptthema seiner Forschungsarbeit werden sollte. Renyi war Gründer, und für 20 Jahre Direktor, des Mathematischen Instituts der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

 

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Jean Leray (1906 - 1988)

Der Vater von Jean Leray, Francis Leray, war Professor. Jean begann seine Ausbildung am Gymnasium von Nantes, wechselte dann zum Gymnasium von Rennes, und bekam sein Doktorat am Ecole Normale Supérieure. In Paris beschäftigte er sich mit der Hydrodynamik. Am 20. Oktober 1932 heiratete er Marguerite Trumier. 1940 wurde er gefangen genommen und blieb bis zum Kriegsende (1945) in einem Kriegslager in Österreich. Während dieser Periode, stoppte er seine Forschungen im Bereich Mechanik der Flüssigkeiten für die algebraische Topologie damit die Deutschen nicht von seinen Forschungen für den Krieg profitieren konnten. Nach seiner Rückkehr nach Paris beschäftigte er sich weiter mit Topologie, und wurde Professor im College de France. 1953 wurde er Mitglied der Akademie der Wissenschaft (Mechanik), 1954 wurde er Vorsitzender der französischen Gesellschaft der Mathematik. 1979 bekam er den Wolff Preis, 1988 den Lomonossov Preis.

 

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Stefan Schwarz (1914 - 1996) Bild ---->

Stefan war jüdischer Abstammung. Er besuchte in seiner Geburtsstadt Nové Mesto nad Váhom das Gymnasium. 1932 began er seine akademische Laufbahn an der Charles Universität in Prag, wo er 1937 seinen Doktor unter Karel Petr mit dem Thema Reduzierbarkeit der Polynome über endliche Felder machte. 1939 verließ er Prag, kehrte in die Slowakei zurück und fand Arbeit in der neuen slowakischen, technischen Universität Bratislava. 1944 wurde er verhaftet und nach Oranienburg-Sachsenhausen Konzentrationslager im Nordwest von Berlin gebracht. Später deportierte man ihn nach Buchenwald, ein Lager, das zum Konzentrationslager Sachsenhausen gehörte. Es gab in Buchenwald zwar keine Gaskammern, trotzdem starben dort hunderter Menschen an Krankheiten, auf Grund von Angriffen und Hinrichtungen oder verhungerten. Im April 1945 wurde Schwarz, dem Tode nahe, durch die Befreiung von Buchenwald gerettet.

 

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Tadeusz Wazewski (Sept 1896 - Sept 1972)

Wazewski besuchte das Gymnasium in Tarnow und hatte von Anfang an die Absicht Physik zu studieren. Dies verwirklichte er zunächst an der der Jagiellonian Universität in Krakow, wurde aber dann von Zaremba überredet und wechselte zu Mathematik. Wazewski beschäftigte sich mit Mengentheorie und Topologie und entschied sich in Paris seinen Doktor zu machen. Nach dem Doktorat kehrte er an die Jagiellonian Universität zurück, wo er ab 1927 dozierte. Krakow wurde zu Beginn des zweiten Weltkriegs von der deutschen Armee besetzt. Im Zuge dessen wurde Wazewski in das Konzentrationslager Sachsenhausen- Oranienburg gebracht, in dem er zwei Jahre verbrachte und überlebte.

 

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Kazimierz Zarankiewicz 1902 (in Czestochowa, Poland) - 1959 (in London, England) Bild --->

Zarankiewicszo besuchte das Gymnasium in Bedzin in der Nähe von Czestochowa. 1919 begann er sein Studium an der Universität Warschau und wurde 1923 Ph.D.. 1924 wird er Assistent, 1929 Dozent. Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges hielt er an der Universität weiter Vorlesungen und riskierte damit sien Leben. 1944 wurde er dann wegen seiner "Unbeugsamkeit" in ein Laborlager nach Deutschland geschickt. Er überlebte und kehrte nach Ende des Krieges nach Warschau zurück. 1959 starb er während des zehnten Congress der Internationalen Astronautischen Föderation in London, bei dem er das Amt des Präsident bekleidete.

 

 

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Alfred Brauer 1894 (Berlin) - 1985 (Chapel Hill) Bild --->

Brauer studierte seit 1913, unterbrochen durch den freiwilligen Kriegsdienst 1914-1919, Mathematik in Heidelberg und Berlin. 1926-1928 war er Hilfsassistent am Institut für Mathematik der Universität Berlin, nach der Promotion 1928 Assistent. Er habilitierte sich 1932 und war bis zu seiner Entlassung 1935 als Privatdozent tätig. 1939 emigrierte er in die USA, wo er bis 1942 am Institute for advanced study der Princeton University, New Jersey als Assistent tätig war. Er wurde Professor der Mathematik an der Universität North Carolina in Chapel Hill, 1966 emeritiert er. Seine Schwester Alice blieb in Deutschland und wurde von den Nazis in einem Konzentrationslager ermordet.

 

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Ernst Hellinger 1883 (Striegau) - 1950 (Chicago) Bild ---->

Hellinger studierte in Breslau, Heidelberg und Göttingen, wo er mit der Arbeit "Die Orthogonal invarianten, quadratischer Formen mit unendlich vielen Variablen" (1907) von David Hilbert promovierte, dessen Assistent er anschließend war. Seit 1909 Privatdozent in Marburg, wurde er 1914 Prof. an der Universität Frankfurt am Main, wo er von 1920 bis zu seiner Entlassung eine ordentliche Professur inne hatte. 1938 wurde er verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau deportiert. 1939 emigrierte er in die USA.

 

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Abraham Wald 1902 (Klausenburg) - 1950 (Nilgiri Hills) Bild ---->

Wald war Sohn eines jüdischen Bäckers, studierte in Klausburg und wurde 1931 in Wien bei Carl Menger mit einer mathematischen Arbeit (über das Hilbertsche Axiomensystem) promoviert. 1938 emigrierte er in die USA, als ein Mitglieder seiner Familie in den Gaskammern des KZs Auschwitz ermordet wurde. Er arbeitete in der Cowles- Kommission für Wirtschaftforschung mit und dozierte ab 1944 als Professor der mathematischen Statistik an der Columbia University New York. Zu seinen Veröffentlichungen gehörten sequenzieller Analysis (1947), statistische Entscheidungsfunktion (1950) und ausgewählte Arbeiten in Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechung (1957). Wald kam bei einem Flugzeugabsturz in Südindien ums Leben.

 

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Issai Schur (1875 in Mogilyov - 1941 in Tel Aviv)

Mit 13 kam Schur nach Latvia und besuchte dort das Gymnasium. Er studierte an der Universität Berlin und bekam sein Doktorat 1901. Von 1911 bis 1916, hatte er eine Professur in Mathematik an der Universität von Bonn. 1916 ging er nach Berlin zurück, wo er 1919 er zum vollem Professor in Berlin wurde. Er behielt diese Stelle bis er von den Nazis in 1935 entlassen wurde. Daraufhin bekam er Einladungungen von der USA und England, lehnte sie jedoch ab, da er nicht verstehen konnte, dass ein Deutscher in Deutschland nicht Willkommen ist. 1939 ging er nach Palästina und starb 1941.

 

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Alfred Tauber (1866 Pressburg - 1942 Theresienstadt)

Alfred, Sohn eines Holzhändlers studierte an der Universität von Wien, wo er 1888 mit einer gruppentheoretischen Arbeit promovierte und sich 1891 mit Untersuchungen über komplexe Potenzreihen habilitierte. 1908 wurde er Professor, 1919 Titular-Professor und ging 1933 in Ruhestand. 1892-1908 war er Chefmathematiker der Phoenix-Versicherungsgesellschaft und bis 1912 deren Konsulent. Er beschäftigte sich auch mit unendlichen Reihen, funktionstheoretischen Reihenentwicklungen sowie mit Funktionaltransformationen.
Das Datum seines Todes ist unbekannt. Man weiss jedoch, dass er im Kz Theresienstadt umkam.

 

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Emmy Noether 1882 (Erlangen) - 1935 (Pennsylvania) Bild---->


Emmy Noether, die Tochter des bekannten Mathematikers Max Noether, erlangte in Erlangen 1907 den Doktortitel. Weitere Titel: 1919 Göttingen Pd (Privatdozent), 1922 ao. P. (außerordentlicher Professor).
Da Emmy Noether in der frühen Weimarer Republik politisch aktiv gewesen war (erst in der USPD, dann in der SPD), 1933 als Marxistin oder Kommunistin galt und öfter auch in Vorlesungen für ihre politische Meinung eintrat, wurde ihr 1933 von den Nazis nach §3, dem "Nicht-Arier-Paragraphen", des BBG die Lehrerlaubnis entzogen. Sie wanderte in die USA aus und lehrte dort am Bryn Mawr College.
Emmy Noether spielte eine wichtige Rolle auf dem Weg zur Begründung der modernen Algebra .

 

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Kurt Gödel 1906 (Brünn) - 1978 (Princeton, New Jersey, USA) Bild---->

Gödel promovierte in Wien und war Schüler von Hans Hahn, dem Vater der modernen Analysis. Am 23. April 1938 wurde ihm die Lehrbefugnis "bis auf weiteres" entzogen. Nach einer zermürbenden Reise über Sibirien und den Pazifik gelang es Gödel schließlich, das Institut for Advanced Study in Princeton (US-Bundesstaat New Jersey) zu erreichen. Dort fand er neue Lösungen für Einsteins Feldgleichungen, geschlossene zeitartige Kurven, die im Prinzip eine Reise in die Vergangenheit erlauben.

 

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Max Dehn 1878 (Hamburg) - 1952 (North Carolina) Bild---->

Universitäre Laufbahn: D. Göttingen 1900, Pd Münster 1901., ao. P Kiel 1911., o. P. Breslau 1913 und Frankfurt 1921.
Max Dehn wurde am 19.6.1935 zwangsweise nach §6 BBG in den Ruhestand versetzt. Da er Altbeamter war, erklärt dies die Anwendung des §6. Der Lehrstuhl wurde sogar noch rückwirkend zum 1.4.1935 gestrichen. Damit begann die eigentliche Zerstörung des Frankfurter Mathematischen Seminars.
1938 wurde während des "Kristall-Nacht-Pogroms" Haftbefehl gegen ihn erlassen, doch ihm gelang es Anfang 1939 nach Kopenhagen zu fliehen. Er wurde jedoch immer wieder verfolgt und so ging seine Reise über Schweden, Finnland, Russland, Serbien und Japan bis er schließlich 1945 eine Anstellung an der Universität von North Carolina fand. Eine seinen Leistungen angemessene Stellung erlangte er in Amerika allerdings nicht mehr.

 

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Paul Epstein 1871 (Frankfurt) - 1939 (Frankfurt)

Universitäre Laufbahn: D. Strassburg 1895, Pd 1903., ao. P Frankfurt1919.
Am 24.9.1935 bat der nicht-beamtete, jüdische Professor Paul Epstein selber darum, von seinen Lehrverpflichtungen entbunden zu werden. Diesem Gesuch wurde sofort entsprochen. Trotz der immer stärker werdenden Druck gegen Juden in Deutschland, konnte er sich nicht zur Auswanderung entschließen. Vielleicht auch deshalb, weil er nach den rigorosen offiziellen Bestimmungen seine Ersparnisse hätte zurücklassen müssen, um dann die Emigration mit 10 Mark in der Tasche zu beginnen.
1938 brach die SA während der Kristallnacht in seine Wohnung ein.
Im August 1939 nahm sich Paul Epstein kurz nach einer Vorladung durch die Gestapo mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben.

 

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Emil Julius Gumbel 1891 ( München) - 1966 (New York)

Universitäre Laufbahn: D. München 1914, Pd (Physik) Heidelberg 1923, ao.P. 1930.
Emil Julius Gumbel war nicht nur ein sehr guter Mathematiker, sondern außerdem Pazifist und überzeugter Anhänger der ersten deutschen Republik. Einer der wenigen, die bedingungslos für diese Republik gekämpft haben, sowohl innerhalb Deutschlands wie auch später im Exil.
Er gab verschiedene politische Schriften gegen nationalistisches Revanchedenken und für Frieden und Völkerverständigung heraus. Sein Hauptthema blieb jedoch die Entlarvung des Terrors von rechtsradikalen Verschwörern und Geheimbünden; aber auch die linken Morde prangerte er an. Der engagierte Republikaner und Pazifist machte sich durch Polemiken bei der politischen Rechten ausgesprochen verhasst. Vor allem rechtsradikale Studentenverbände in Heidelberg agitierten gegen den jüdischen Gumbel und verlangten immer wieder seine Entlassung. Schließlich wurde ihm am 5. August 1932 die Lehrberechtigung entzogen und Gumbel ging ins Exil, aus dem er nie zurückkehrte.

 

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Felix Bernstein 1878 (Halle) - 1956 (Zürich) Bild---->

Universitäre Laufbahn: D. Göttingen 1901, Pd. Halle 1904 ,Pd Göttingen 1907, ao. P. 1911.
Der jüdische Mathematiker Bernstein trat nach der Novemberrevolution wiederholt öffentlich gegen die bürgerlichen Parteien auf. Er war zeitweise Vorsitzender der linksliberalen Göttinger Deutschen Demokratischen Partei .Bei einem Auslandsaufenthalt in Amerika, erreichte ihn 1933 die Nachricht von seiner Entlassung nach §6 . Deshalb blieb er in den USA, fand dort aber nie eine angemessene Stellung und geriet auch materiell zeitweilig stark in Bedrängnis. Deshalb kehrte er 1948 nach Göttingen zurück.

 

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Edmund Landau 1877 (Berlin) - 1938 (Berlin)

Universitäre Laufbahn: D. Berlin 1899, Pd. 1901,o. P. Göttingen 1909.
Der jüdische Mathematiker Edmund Landau wurde Opfer eines Studentenboykotts an der Göttinger Uni. Trotz einer Warnung des Ministeriums an alle bei den nationalsozialistischen Studenten unbeliebten Dozenten, ihre Vorlesungen nicht mehr abzuhalten, wollte Landau seine Studenten dennoch unterrichten . Er scheiterte an einem perfekt inszenierten Studentenboykott, bei dem sogar SA-Wachen an den Eingängen des Hörsaales platziert wurden. Daraufhin beauftragte Landau seine Emeritierung und wurde unter Rückgriff auf §6 in den Ruhestand versetzt. Er konnte sich nicht zu einer Auswanderung entschließen und fand vor seiner möglichen Ermordung durch die Nazis einen natürlichen Tod in seiner Geburtsstadt Berlin.

 

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Hans Rademacher 1892 (Wandsbek) - 1969 (Haverford) Bild---->

Universitäre Laufbahn: D. Göttingen 1916, Pd. Berlin 1919,o.P. Breslau 1925 .
Unter normalen politischen Umständen wäre Rademacher vermutlich für seine restliche Laufbahn an der Universität von Breslau geblieben. Aber mit der Machtergreifung Hitlers veränderte sich alles. Rademacher war kein Jude und hätte auch in allen anderen "rassischen Gesichtspunkten" den Vorstellungen der Nazis entsprochen, allerdings waren seine pazifistischen Ansichten inakzeptabel für das Hitler-Regime.
Der analytische Zahlentheoretiker wurde unter Hinweis auf seine Tätigkeit in der Liga für Menschenrechte schon 1933 nach §4 entlassen. Er war damit einer der wenigen deutschen Professoren, die von den Nazis wegen links-liberalen Positionen entlassen wurde. Rademacher emigrierte nach America, ließ sich in Pennsylvania nieder
und lehrte dort bis zu seiner Emeritierung an der Pennsylvania State University.

 

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Emil Artin 1898 (Wien) - 1962 (Hamburg)

Universitäre Laufbahn: D. Leipzig 1921, Pd. Hamburg 1923, o. P. 1926
Da Artin nicht jüdischer Abstammung war, war er durch die Judenverfolgung zunächst nicht betroffen. Da seine Frau Natasha Jasny aber Jüdin war, musste er wegen des Flaggenerlasses 1937 sein Ordinariat verlassen, nachdem er bis Anfang 1937 vom zuständigen Referenten im Ministerium zuverlässig gestützt worden war. Er emigrierte in die USA, wo er an verschiedenen Universitäten tätig war. 1958 kehrte er an seinen alten Lehrstuhl in Hamburg zurück, den er 20 Jahre zuvor unter so tragischen Umständen verlassen musste.

 

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Ludwig Hopf 1884 (Nürnberg) - 1939 (Dublin)

Universitäre Laufbahn: D. München 1909, Pd. 1914 Aachen ,o.P. 1923 ,er assistierte unter anderem auch Einstein.
Hopf wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung schon 1933 entlassen, nachdem ihn der AstA auf seine Denunziationsliste gesetzt hatte. In seinem Fall hatten Kollegen versucht, ihn durch Gutachten über seine Bedeutung für die Luftfahrtforschung vor dem zwangsweisen Ruhestand zu bewahren. Die Gutachten wurden aber als nicht positiv genug angesehen.
Hopf wartete sehr lange mit seinem Entschluss zu emigrieren, was ihm beinahe zum Verhängnis wurde. Er konnte 1938 nur knapp der Verhaftung entgehen. Als die SS Hopf abholen wollte, gab sich sein Sohn Arnold für ihn aus. Arnold Hopf wurde ins KZ Buchwald gebracht, wo er aber nach einem Monat wieder entlassen wurde, da er Papiere für seine Emigration nach Kenia vorlegen konnte. 1939 gelang Ludwig Hopf doch noch die Emigration nach Cambridge in England, wo er einen Forschungstitel erhalten hatte. 1939 siedelte er nach Dublin über, um eine Stelle als Lecturer für Höhere Mathematik am Trinity College anzunehmen. Nach wenigen Monaten starb Hopf an einer Blutkrankheit.

 

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Arthur Rosenthal 1887 (Fürth) - 1959 (Lafayette, Indiana)

Universitäre Laufbahn: D.München 1909, Pd. 1912, ao.P. Heidelberg 1922, o.P. 1930.
Der jüdische Ordinarius der Mathematik in Heidelberg wurde zwar 1933 beurlaubt, seine Beurlaubung wurde aber durch die höheren Universitätsorgane, die die Anwendungen des BBG abmildern wollten, sofort wieder ausgesetzt. Im Sommer 1933 wurde ihm bescheinigt, dass er als Frontkämpfer im ersten Weltkrieg unter die Ausnahmen zu §3 fiele. Zwei Jahre später,1935, begann der NS-Studentenbund einen Vorlesungsboykott gegen Rosenthal und er beantragte daraufhin seine Emeritierung, die zum 30.9.1935 erfolgte. 1936 wurde ihm rückwirkend zum 31.12.1935 überdies noch die Lehrbefugnis entzogen.
Er floh 1939 nach Holland und schafft es dann noch im letzten Moment in die USA zu fliehen. Nachdem er an den Universitäten von Michigan und New Mexiko war , unerrichtete er in Lafayette.

 

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Richard Courant 1888 (Lublinitz) - 1972(New Rochelle,New York) Bild---->

Universitäre Laufbahn: D.Göttingen 1910, Pd.1912, o.P. Münster 1919, Göttingen 1921.
Obwohl Courant jüdischer Abstammung war, war er zunächst als Altbeamter und Frontkämpfer von §3, dem Arier-Paragraphen, eigentlich nicht bedroht. Trotzdem wurde Courant schon am 25.4.1933 per Telegramm bis zur entgültigen Entscheidung auf Grund des Beamtengesetzes beurlaubt. Courant war als engagierter Sozialist bekannt, da er wiederholt gegen die bürgerlichen Parteien aufgetreten war. 1934 wurde Courant schließlich zu verstehen gegeben, dass er selbst seine Emeritierung beantragen solle.
Durch den öffentlichen Druck gezwungen, trat er schließlich zurück. Courant ging zuerst als Gastdozent nach Cambridge und anschließend in die USA. Dort baute er an der New York University ein Institut für angewandte Mathematik auf. Gleichzeitig half er vielen seiner ebenfalls immigrierten Kollegen bei der Eingliederung in die amerikanische Gesellschaft.

 

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Herrman Weyl 1885(Elmshorn) - 1955(Zürich) Bild---->

Universitäre Laufbahn: D.Göttingen 1908, Pd. 1910, o.P. Zürich 1913, Göttingen 1930
Der Hilbertschüler Weyl war nicht-jüdischer Abstammung, wurde also von den Nationalsozialisten nicht aktiv bekämpft. Er hätte im Prinzip die Möglichkeit gehabt, bis 1937 auf seiner Stelle zu bleiben. Spätestens dann hätte er allerdings auf Grund des Flaggenerlasses gehen müssen, da seine Frau jüdische Vorfahren hatte. Er wollte seine Frau und seine Kinder jedoch nicht länger der bedrückenden Herrschaft der Nazis aussetzen und nahm schon 1933 einen Ruf an das neugegründete Institute for Advanced Study in Princeton an . Er war dort einer der aktivsten und einflussreichsten Immigranten und half bei der Eingliederung der Flüchtlinge aus Europa.

 

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Friedrich Willers 1883(Bremervörde) - 1959(Dresden)

D. Göttingen 1906, o.P. Freiberg 1928 .
1934 wurde der einzige Ordinarius für Mathematik, Friedrich Willers, an der Bergakademie Freiberg aus dem Amt gedrängt. Willers war nicht jüdischer Abstammung, aber die Studenten wandten sich gegen ihn, da er ihnen fachlich zu anspruchsvoll war. Diese Auseinandersetzung wurde von den Nazis benutzt, um ihn aufzufordern freiwillig zu emeritieren. Erst nach 10 Jahren gelang seinen Freunden seine Rehabilitierung. 1944 wurde er o.P. (angewandte Mathematik) in Dresden.

 

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Ernst Zermelo 1871(Berlin) - 1953 (Freiburg)

Universitäre Laufbahn: D.Berlin 1894, Pd Göttingen 1899, o.P. Zürich 1910, o.P.(Honorarprofessor) Freiburg 1926.
Zermelo war nicht jüdischer Abstammung, dennoch wurden 1935 Disziplinarmaßnahmen gegen ihn eingeleitet, da er den Hitler-Gruß verweigerte. Um seiner Entlassung zuvorzukommen, trat er daraufhin freiwillig zurück.
1946 bekam er seinen Posten an der Universität Freiburg zurück.

 

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Otto Blumenthal 1876(Frankfurt/Main) - 1944(Theresienstadt)

Universitäre Laufbahn: D. Göttingen 1898, Pd.1901, o.P. Aachen
Der Hilbertschüler Otto Blumenthal gehörte in Aachen zu den ersten Opfern nationalsozialistischer Willkür unter den Mathematikern. Er wurde wegen seiner jüdischen Abstammung und aus politischen Gründen (Blumenthal war Mitglied eines "Vereins der Freunde Russlands") verfolgt. Der Aachener Asta forderte das Ministerium auf, Blumenthal die Prüfungsberechtigung zu entziehen.. Daraufhin wurde er für einige Zeit in Schutzhaft genommen, im Mai 1933 wurde er von seiner Stelle beurlaubt, und im November wurde er nach §4 BBG entlassen. 1939 emigrierte er nach Holland. Nach der Besetzung der Niederlande wurde Blumenthal deportiert und starb am 12.11.1944 im KZ Theresienstadt.

 

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Erich Kamke 1890 (Marienburg) - 1961(Tübingen)

Universitäre Laufbahn: D. Göttingen 1919, Pd. Münster 1922, ao.P. Tübingen 1926.
Erich Kamke war schon 1933 Nazi-Hasser und überzeugter Demokrat Kamke war in der Zeit der "Führeruniversität" zu keinerlei Konzession bereit, er rief nicht "Heil Hitler!", hob nicht den Arm zum "Deutschen Gruß" und verzichtete überhaupt auf jedes "Zeichen einer auch nur äußerlichen Bejahung", wie seine Fakultät später anerkennend schrieb. Kamke war mit einer Jüdin verheiratet, galt also nach dem Beamtengesetz der Nazis als "jüdisch versippt" und wurde im Jahr 1937 "entpflichtet", das heißt: ohne Bezüge entlassen. Diese relativ späte unpolitische Entlassung verdankte er vermutlich dem Einsatz des Tübinger Rektors Focke. Im Juni 1945 wurde er wieder in sein altes Amt eingesetzt.

 

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Felix Hausdorff 1868 (Breslau) - 1942 (Bonn) Bild ---->

Universitäre Laufbahn: D. Leipzig 1891, Pd. 1895, ao.P. 1902, ao.P. Bonn 1910, o.P. Greifswald 1913, Bonn 1921.
Anfang 1935 wurde in Bonn der Ordinarius der Mathematik, Felix Hausdorff, nach §1 des "Neuaufbau"-Gesetzes emeritiert. Da Hausdorff in seinem 66.Lebensjahr stand und jüdischer Abstammung war, verwundert es nicht, dass das Ministerium kein überwiegendes Hochschulinteresse wahrnahm, von dieser Maßnahme abzusehen. Hausdorff bat vergeblich um ein research fellowship in den USA.. Die Emigration des nun schon 69jährigen Hausdorff scheiterte; dieser in der amerikanischen Mathematik durch sein Topologiebuch von 1914 so einflussreiche Mathematiker beging 1942 vor der drohenden Deportation gemeinsam mit seiner Ehefrau Selbstmord.

 

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Robert Remak 1888 (Berlin) - 1942 (Auschwitz) Bild ---->

Universitäre Laufbahn: D.Berlin 1911, Pd Berlin 1929.
1933 wurde dem bedeutenden Berliner Mathematiker und Spezialist für die Geometrie der Zahlen, Remak , auf Grund seiner jüdischen Abstammung die Lehrerlaubnis entzogen. Er blieb jedoch in Deutschland und setzte seine mathematische Forschung fort. Vielleicht sah er seine Ehe mit einer Frau, die den "arischen Kriterien" entsprach, als gewissen Schutz gegen die Nazi-Politik an. In der Kristallnacht wurde Remak jedoch festgenommen und ins KZ Sachenshausen gebracht, von wo er nach acht Wochen wieder entlassen wurde, da es seiner Frau gelungen war seine Emigration nach Holland bewirken. Trotz zahlreicher Bemühungen seiner Frau, gelang Remak die Emigration nach Amerika jedoch nicht mehr und er wurde 1942 nach Ausschwitz verschleppt und dort ermordet.

 

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Fritz Noether 1884 (Erlangen) - 1941 (USSR)

Universitäre Laufbahn: D.Munich 1909, Pd. Karlsruhe 1911, ao.P. 1918, o.P. Breslau 1921
Wegen seines Engagements für die Weimarer Republik und seiner jüdischen Abstammung wurde der Bruder von Emmy Noether 1933 von den Nazis entlassen. Er emigrierte 1934 in die Sowjetunion. Doch die Emigration in die in mathematischer Hinsicht attraktive Sowjetunion wurde durch das dortige stalinistische Herrschaftssystem überschattet. 1937 wurde Fritz Noether dort von der Stalinschen Geheimpolizei inhaftiert und ermordet.

 

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Carl Ludwig Siegel 1896 (Berlin) - 1981 (Göttingen) Bild---->

Universitäre Laufbahn: D. Göttingen 1920,o.P. Frankfurt 1922
Der vielseitige Mathematiker(Zahlentheorie, Funktionentheorie, Himmelsmechanik) war einer der wenigen „freiwilligen“ Emigranten in dem Sinne, dass er weder „rassisch“ noch politisch von den Nazis verfolgt wurde. Der pazifistisch gesinnte Siegel konnte und wollte sich dem militaristischen Nazideutschland nicht anpassen und so nutzte er 1940 eine Dienstreise nach Norwegen, um von dort mit dem letzten Schiff vor der deutschen Besetzung des Landes in die USA zu emigrieren, wo er zusammen mit Albert Einstein am Institute for Advanced Study in Princeton lehrte. Als einer der ganz wenigen Mathematiker kehrte Siegel nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurück und lehrte von 1951 bis zu seiner Emeritierung 1959 an seiner alten Wirkungsstätte in Göttingen.

 

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