Fakultät für Informatik
        der Technischen Universität München        

 

Hauptseminar für Überfachliche Grundlagen

 

Thema* Mathematiker in Frankreich während der NS-Zeit *

 

Vortragende: Mazan Abdelkader, Barzali Abdelmounaime, Benmrhar Rachid

Dozent: Prof. Dr. Thomas Huckle


 


Frankreich das Land der Mathematiker

Das breite Publikum kennt sie nicht, die französische Schule der Mathematik, die auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Sie gehört zu den wichtigsten in der Welt.

Die Mathematik ist überall. Sie breitet sich in der Medizin aus, der Wirtschaft, im Bankwesen, in der pharmazeutischen Industrie, der Biologie... Sie ist allgegenwärtig, jedoch gut getarnt. Die Fahrgäste, die den Metro benutzen, eine Pariser Metro-Linie ohne Zugführer, können sich nur schwer vorstellen, dass der Bau 150 Mathematiker fünf Jahre lang beschäftigt hat. Nur wenige Franzosen wissen, dass ihr Land weltweit die dritte Stelle im Bereich der Mathematik einnimmt, gleich hinter den Vereinigten Staaten und Russland.

Diese Leistung hat eine lange Geschichte, die im 16. Jahrhundert mit "Viète" beginnt. Sie geht weiter mit "Descartes" (17. Jahrhundert), "Fermat" (17. Jahrhundert), "Lagrange" (18. - 19. Jahrhundert), "Laplace" (18. - 19. Jahrhundert), "Galois" (19. Jahrhundert)..., und erreicht ihren Höhepunkt mit einem der größten Mathematiker aller Zeiten: "Henri Poincaré" (1854-1912), sicherlich einer der letzten, der ein universelles Wissen über die Mathematik und ihre Anwendungen hatte.

Im Gegensatz zur deutschen Vereinigung der Mathematiker, der großen Rivalin vor dem Krieg, hat die französische Mathematikergilde den Zweiten Weltkrieg überlebt. Durch den regen intellektuellen Austausch, den die "Bourbakisten" und einige Freischärler, wie "Jean Leray", pflegten, konnte Frankreich nach dem Krieg zahlreiche Ehrenauszeichnungen sammeln. Zwischen 1950 und 1966 gingen ein Drittel der Fields-Medaillen nach Frankreich. Diese Auszeichnung, die mit dem Nobelpreis für Mathematik vergleichbar ist, wird alle vier Jahre an Forscher unter 40 Jahren vergeben.


  Inhalt


André Weil [Paris (F), 1906 * Princeton,New Jersey(USA), 1998]


 

André Weil wurde am sechsten Mai 1906 in Paris geboren. Schon in seiner Schulzeit war er sehr brillant. Als er sechzehn Jahre alt war ging er in der "École Normale Supérieur", ein Jahr vor Henri Cartan, der sein bester Freund bis zum Ende seines Lebens blieb.

Als er die Schule abgeschlossen hatte, war er noch zu jung um den Wehrdienst zu machen, er profitierte von den Stipendien, die er in dieser Zeit bekommen hat, ein Jahr in Italien in Rom und ein Jahr in Deutschland in Göttingen zu studieren. Von 1930 bis 1932 war er als Professor in Indien an der Universität "Aligarh Muslim" tätig, wo er sich auch mit der Philosophie beschäftigte. Von 1933 bis 1939 war er als Professor in der "Faculté des sciences de Strassbourg". In dieser Zeit wurde die "Nicolas Bouraki" Gruppe mit seinen ehemaligen Mitschülern von der "École Normal Supérieure" gegründet. André Weil war mit Dieudoné einer der wichtigsten Personen in dieser Gruppe. Als er 50 Jahre alt war verlies er die Gruppe, wie er das schon versprochen hatte.

Im Oktober 1937 heiratete er Évelyne und bekam von ihr zwei Kinder. Évelyne war die Exfrau von de Possel, der deswegen Bourbaki verlies. De Possel war nicht der letzte Mathematiker, mit dem Weil Probleme hatte, später haben Grothendieck, Leray und Lang seinetwegen die Gruppe verlassen.

Als der zweite Weltkrieg ausbrach, war das für ihn sehr tragisch, weil er einerseits Jude war und andererseits Antimillitarist war. Er wurde ein Offizier, aber im September 1939 flüchtete er nach Finnland, wo er festgenommen wurde und wieder nach Frankreich zurückgeschickt wurde. 1940 wurde er zur Haft verurteilt. Er bekam später Asyl in den USA. Weil wurde wegen seiner Schwester, die in dem französischen Widerstand sehr aktiv war, sehr kritisiert.

Ab 1941 lehrte Weil im "Haferfor College" und "Swarthmore College" in Pennsylvania und 1945 lehrte er in Sao Paulo in Brasilien. 1947 kehrte er in die USA zurück. Ab 1958 war er als Professor an der Universität von Princeton. 1976 ging er in den Ruhestand. Weil ist der Gründer der Theorie "Algebra der modernen Zahlen". Weil starb am 6. August 1998.


Jacques Hadamard [Versailles (F), 1865 * Paris (F), 1963]


Jacques Hadamard wurde am 8. Dezember 1865 in Versailles geboren. Schon in seiner Schulzeit brillierte er vor allem in Latein und Griechisch, aber etwas weniger in Mathematik. Er besuchte die Polytechnik Schule, die er mit einer bis dahin noch nie erreichten Gesamtnote abgeschlossen hat. Von 1884 bis 1888 besuchte er "l?Ecole Normale Superieure".

1892 schrieb er eine brillante Doktorarbeit, wo er die Taylor Reihen und die analytische Funktionen untersuchte. In dieser Doktorarbeit erscheint das erste Mal « la formule de Hadamard pour le calcul du rayon de convergence une serie entiere ». 1892 heiratete er Louis-anna Trével und bekommt von ihr 5 Kinder. Von 1893 bis 1897 war er als Professor der Astronomie und Mechanik an der Universität von Bordeaux tätig.

1896 erreichte die Theorie der analytischen Funktionen, die von ihm weiterentwickelt wurde, einen großen Erfolg. Er bewies, dass die Anzahl der primitiven Zahlen, die kleiner oder gleich (n) sind, (n/ln n) entspricht, wenn (n) nach unendlich geht.

1897 kehrte er zurück nach Paris. Die mathematischen Bereiche, zu denen Hadamard beigetragen hat, sind viel und unterschiedlich, die wichtigsten davon sind:

Gleichzeitig veranstaltete er ein Seminar, in dem er die erste Generation von den Bourbakisten schulte.

Hadamard führte ein glückliches Leben bis der erste Weltkrieg, in dem er sein zwei Söhne verlor, ausbrach. Im zweiten Weltkrieg hat er sein dritten Sohn verloren.

Im Jahre 1950 war er Ehrenvorsitzender des internationalen Kongresses der Mathematiker, der in den Vereinigten Staaten stattfinden sollte, aber in diesen Zeiten des kalten Krieges ist Hadamard von den amerikanischen Behörden nicht erwünscht. Nur mit Hilfe von amerikanischen Mathematikern, erhält er sein Visum. 1951 veröffentlicht er sein letztes Gedächtnis. Er stirbt am 17. Oktober 1962, einige Monate nach seiner Ehefrau und einer von seinen Enkeln.


Emile Borel [Saint-affrique,aveyron (F), 1871 * Paris (F), 1956]


Felix Edouard Justin Emile Borel (zumeist wird in der Literatur aber nur der Vorname Emile verwendet), wurde am 7. Januar 1881 in Saint-Affrique in Aveyron in Frankreich geboren. Als er 18 Jahre alt war, war er der Erste in der Aufnahmeprüfung zur "Ecole Polytechnique" und "École Normale Supérieure". Später heiratete er die Tochter des berühmten Matematiker Apell.

Als er 22 Jahre alt war, wurde er "maître de conférences " in Lille. Vier Jahre später "maître de conférences " an der "Ecole Normale Supérieure". Nach dem ersten WeltKrieg übernahm er den Lehrstuhl für die Wahrscheilichkeitstheorie. Er versuchte diesen Bereich weiterzuentwickeln, vor allem seine Beziehung zur mathematischen Physik. 1921 wurde er Mitglied der wissenschaftlichen Akademie. 1955 erhält er die goldene Medaille "CNRS".

Sein wichtigster Beitrag zur Mathematik war ohne Zweifel die Arbeit an einer Messtheorie und die Funktionen einer reellen Variablen. Diese Theorie wurde von Borel zusammen mit den beiden französischen Mathematikern Rene Baire und Henri Lebesgue geschaffen.

Er war außerdem sehr am Problemkreis der divergenten Reihen interessiert. Er war zwar nicht der Erste, der sich mit solchen Bereichen auseinandersetzte, er erarbeitete jedoch als Erster eine systematische Theorie für divergente Reihen (1899).

Von 1914 bis 1918 zieht er in den Krieg und bekam deswegen die fanzösiche Medaille "La Croix de Guerre". Borel starb am 3. Februar 1956. 


Benoit B. Mandelbrot [Warschau (P), 1924]


Ein Fraktal ist eine geometrische Figur, die selbstähnlich ist und fraktale Dimensionen aufweist.

Ein Fraktal wird selbstähnlich genannt, weil seine Teile dem Ganzen ähnlich sind; schaust du dir einen Teil eines Fraktals an, so sieht er ungefähr gleich aus wie der ganze Fraktal.

Von einer fraktalen Dimension sprechen wir, wenn etwas nicht ein-, zwei- oder mehrdimensional ist, sondern etwas dazwischen.

Benoit Mandelbrot ist zu großen Teilen für das heutige Interesse an der fraktalen Geometrie verantwortlich. Er zeigte, dass Fraktale überall auftreten können - sowohl in der Mathematik als auch in der Natur.

Mandelbrot wurde 1924 in Warschau in Polen geboren. In seiner Familie gab es viele Akademiker. Seine Mutter war Ärztin, während sein Vater Geld mit dem Kauf und Verkauf von Kleidern verdiente. Schon in Mandelbrots Jugend brachten seine beiden Onkel ihm die Mathematik nahe.

1936 wanderte Mandelbrots Familie nach Frankreich aus und sein Onkel Szolem Mandelbrot, der Professor für Mathematik am "Collège de France" und der Nachfolger von Hadamard war, nahm seine Erziehung in die Hand.

Mandelbrot besuchte das "Lycée Rolin" in Paris bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. Dann zog er mit seiner Familie nach Tulle in Zentralfrankreich. Dies war eine Zeit außerordentlicher Schwierigkeiten für Mandelbrot, in der er aus vielerlei Gründen um sein Leben fürchten musste. Unter dem Einfluss dieser Jahre wurde seine akademische Erziehung vermehrt gefördert:

Der Krieg, die andauernde Armut und die Notwendigkeit zu überleben hielten ihn von Schule und College fern und obwohl er seine Lehrer an der weiterführenden Schule als sehr gut empfand, lernte er größtenteils autodidaktisch.

Mandelbrot verdankt seiner Meinung nach seinen Erfolg zu einem großen Teil seiner unkonventionellen Erziehung. Diese Art der Bildung erlaubte ihm, in Bahnen zu denken, die nur schwer von jemanden nachzuvollziehen sind, der eine konventionelle Erziehung genossen hat und durch diese in festen und vorgegebenen Bahnen denkt. Es war ihm so auch möglich, sich auf einem sehr geometrischen Weg der Mathematik zu nähern. Und eben diese geometrische Intuition und Vision gestatteten ihm einzigartige Einblicke in mathematische Probleme.

Nachdem Mandelbrot in Lyon studiert hatte, besuchte er die "Ecole Normale Supérieur" in Paris. Seine Studienzeit dort zählt wohl zu den kürzesten überhaupt. Er verließ die Schule nach nur einem Tag. Nach einer sehr erfolgreichen Aufnahmeprüfung an der "École Polytechnique" begann Mandelbrot 1944 seine Studien dort. Sein dortiger Lehrer war Paul Lévy, der Mandelbrot ebenfalls wesentlich prägte.

Nach dem Abschluss seiner Studien an der École Polytechnique ging Mandelbrot in die Vereinigten Staaten, wo er das "California Institute of Technology" besuchte. Von dort aus ging er an das "Institute for advanced Study" in Princeton, wo er ein Stipendium von John von Neumann erhielt.

1955 ging Mandelbrot nach Frankreich zurück und arbeitet am "Centre National de la Recherche Scientific". Er heiratete Ailette Kagan, blieb jedoch nicht sehr lange in Frankreich, sondern ging wieder in die USA. Der Grund für seine Unzufriedenheit mit der Art der Mathematik dieser Zeit in Frankreich war klar :

Während sich Mandelbrot immer noch mit den eher exotischen Formen von statistischer Mechanik und mathematischer Linguistik beschäftigte und voller kreativer und nicht dem Standart entsprechenden Ideen steckte, musste er feststellen, dass die französische "Foundational School" von Bourbaki nicht seinem wissenschaftlichen Geschmack entsprach. So verließ er 1958 Frankreich endgültig und wanderte für immer nach Amerika aus. Hier begann seine lange und ertragreiche Zusammenarbeit mit IBM als "Research Fellow" und "Research Professor" in den weltbekannten Laboren in "Yorktown Heights" in New York Stadt.

Bei IBM fand Mandelbrot ein Umfeld vor, das es ihm ermöglichte einer großen Vielfalt von unterschiedlichen Ideen nachzugehen. Er selbst sprach davon, dass ihm bei IBM die Möglichkeit gegeben wurde, endlich die Richtung in seiner Forschung einzuschlagen, die er wollte, was ihm kein Universitätsposten jemals erlaubt hätte.

1945 brachte Mandelbrots Onkel ihn in Kontakt mit Julia's wohl wichtigster Schrift von 1918 und betonte, dass dies ein Meisterwerk und eine potentielle Quelle interessanter Probleme sei. Mandelbrot mochte die Schrift jedoch nicht. Er reagierte recht heftig auf solche Versuche seines Onkels, ihn zu beeinflussen, hatte er doch den Eindruck, seine Einstellung zur Mathematik unterscheide sich grundlegend von der seines Onkels. Stattdessen ging Mandelbrot seinen eigenen Weg, den man als sehr ungewöhnlichen, individuell oder nomadisch beschreiben könnte, der ihn über viele Wissenschaften in den 70er Jahren doch wieder zu Julia's Thesen brachte. In der Tat war Mandelbrots Entscheidung, sich in seinem jungen alter vielen verschiedenen Zweigen und Branchen der Wissenschaft zu widmen, eine sehr befreiende. Es ist bemerkenswert, dass Mandelbrot in der Lage war, seine Begabung in so vielen Gebieten mit Erfolg einzusetzen.

Mit der Hilfe von Computergraphiken war Mandelbrot, der zu dieser Zeit bei IBM im Watson Research Center arbeitete, in der Lage zu zeigen, dass Julia?s Arbeit der Ursprung einiger der schönsten Fraktale ist, die man heute kennt. Um dies zu zeigen, musste er nicht nur neue mathematische Ideen und Vorstellungen entwickeln, sondern auch einige der ersten Computerprogramme entwickeln, mit denen man Graphiken drucken kann.

Die Mandelbrotmenge ist eine zusammenhängende Menge von Punkten in der komplexen Ebene. Man wählt einen Punkt Z0 in der komplexen Ebene.

Berechnung:

Wenn die Folge Z0, Z1, Z2, Z3, ... in einem Radius von 2 vom Ursprung bleibt, dann sagt man, dass der Punkt Z0 in der Mandelbrotmenge liegt. Divergiert die Folge dagegen, dann liegt der Punkt nicht in der Menge.

Mandelbrots Arbeit wurde erstmals 1975 in seinem Buch "Les objets fractals, form, hasard et dimension" veröffentlicht und 1982 umfassender in "The fractal geometry of nature".

Am 23. Juni 1999 verlieh die "University of St andrews" Mandelbrot den "Honorary Degree of Doctor of Science".


Alexander Grothendieck [Berlin (D), 1928]

Alexander Grothendieck wurde am 28 März 1928 als Sohn eines jüdischen Vaters in Berlin geboren. Nach der Ermordung seines Vaters durch die Nazis in Dachau, flüchteten er und seine Muter nach Montpellier in Frankreich.

1948 entschied er sich Mathematik in Paris zu studieren, wo er ein Stipendium bekam. später nahm ihn Henri Cartan in seine Seminare in der "l'École Normale Supériuere (ENS)" und stellte ihm Dieudonné vor.

Dank seiner harten Arbeit und hervorragenden Intuition konnte er die Welt der Mathematiker begeistern, in dem er vierzehn mathematische Probleme, die alle äquivalent zu einer Doktorarbeit waren, löste.

Von 1959 bis 1971 arbeitete er als Professor im "Institut des Hautes Études Scientifiques (IHES)" (Institut für höhere wissenschaftliche Studien ) in Paris.

1966 bekam er die Fields Medaille (äquivalent zu dem Nobelpreis) als Spezialist für algebraische Geometrie, aber er wollte nicht nach Russland gehen um sie abzuholen und zeigte dadurch seine Solidarität mit den beiden Schriftstellern Siniavski und Daniel, die in Russland misshandelt wurden.

Als er 1971 entdeckte, dass die IHES finanzielle Hilfe vom Verteidigungsministerium bekommt, kündigte er und beschäftigte sich mit der Politik und veröffentlichte seine Zeitung "Vivre et Survivre".

1973 kehrte er nach Montpellier zurück und lehrte dort die Mathematik. Im April 1988 wird ihm und seinen belgischen Schüler Pierre Deligne die "Academie Royale des Science" vom Schweden der "Crafoord Preis" verliehen, aber in einem Brief, der von der Zeitung "Le Monde" am 4. Mai desselben Jahres veröffentlicht wurde, schrieb er, dass er diese Preis nicht akzeptiere. er schrieb:

 " (...), ich wünschte mir diesen Preis nicht, (...), mein Gehalt ist mehr als ausreichend."

1988 geht er in Rente und zieht sich in einem Dorf namens Aumettes zurück, um dann später irgendwo in den Süden zu gehen.


Henri Léon Lebesgue [Beauvais (F) 1875 , Paris (F) 1941]


Henri Léon Lebesgue wurde am 28 Juni 1875 in Beauvais geboren. Sein Vater, wie seine zwei ältere Schwestern starben an Tuberkulose, eine Krankheit mit der Lebesgue sein ganzes Leben zu kämpfen hatte.

Seine Mutter hatte hart gearbeitet damit er studieren konnte. Schon seit seiner Schulzeit war Lebesgue sehr brillant, was ihm ermöglichte mehrere Stipendien zu bekommen, nämlich in der Vorbereitungsklasse im "Lycée Louis-Le-Grand" und in der "École Normale Supérieure". Er heiratete die Schwester eines Mitschülers, mit der er zwei Kinder bekam. 1897 lehrte er einige Jahre in der Vorbereitungsklasse in Nancy, parallel dazu bereitete er seine Doktorarbeit vor, die er 1902 mit dem Titel "Integral, Länge, Fläche" vorgetragen hat. In dieser Doktorarbeit präsentierte er die Theorie eines neuen Integrals, das später seinen Name trug. Dieses Integral erleichterte die Analyse von trigonometrischen Reihen und allgemein die Fourier Analysis. Lebesgue studierte die Arbeit von Jordan, Borel und Baire um eine Theorie der messbaren Funktionen, die unkontinuierlich sein können, zu entwickeln. Später definierte er eine neue Summationsmethode.

1936 schrieb er:

"Meiner Meinung nach braucht sich ein Mathematiker in seinem Fachgebiet nicht um die Philosophie zu kümmern" - eine Meinung, die überdies auch von vielen Philosophen ausgesprochen wurde.

Lebesgue starb im Juli 1941 im Paris.


Rocard, Yves-Andre [Vannes(F), 1903 * Paris (F), 1992]


Yves Andre Rocard wurde am 22. Mai 1903 in Vannes in Frankreich geboren. Er war ein großer Physiker und Mathematiker. 1927 erhielt er den Doktortitel in Mathematik von der "École Normale Superieure" in Paris, ein Jahr später den Doktortitel in Physik. Er nahm einen Job in der Elektronikindustrie an.

Während des 2. Weltkrieges, war Rocard Mitglied einer französischen Widerstandsgruppe. Er floh nach England und wurde dort Chef der Forschungsabteilung der freien französischen Marinekräfte. Nach dem Krieg kehrte er nach Frankreich an die "ENS" zurück. Er wurde der Leiter der Physikabteilung und arbeitete auf verschiedenen Gebieten zur Erforschung der Halbleiter, Seismologie und der Radioastronomie. Ihm wird die Einführung der Radioastronomie nach Frankreich zugeschrieben.

1951 wurde er in die französische Atomenergiekommission berufen. Dort hat er an der Entwicklung der Atombombe bedeutend beigetragen. Im Jahre 1952 war Rocard mit finanzieller Unterstützung von Seiten des französischen Bildungsministeriums maßgeblich am Bau eines Labors für Radioastronomie in Nancy, 200 km südlich von Paris, beteiligt.

In seinen späten Jahren, während seines Ruhestandes konzentrierte Rocard sich auf wissenschaftliche Studien des Biomagnetismus und "Dowsing". Rocards Sohn Michel war französischer Premierminister von 1988-1991.

Rocard starb am 16. März 1992 in Paris.


Maurice René Fréchet [Maligny Yonne, Bourgone(F), 1878 * Paris (F), 1973]


Maurice Fréchet war ein Student Hadamard´s. Unter dessen Aufsicht schrieb Fréchet 1906 eine hervorragende Seminararbeit und stellte darin das Konzept eines metrischen Raumes vor. Der Name "metrischer Raum" stammt nicht von ihm selbst, sondern von "Hausdorff".

Fréchet war ein sehr vielseitig begabter Mathematiker. Von 1910-1919 war er Professor der Mechanik an der Universität von Poitiers, von 1920-1927 Professor des höheren Kalküls an der Universität von Strassburg.

Von 1928-1948 war er in verschiedenen Gebieten der Mathematik an der Universität von Paris tätig, mitunter als Lektor über Wahrscheinlichkeitsrechnung, Professor des differentialen und integralen Kalküls und als Professors der Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Fréchet bildete Hauptbeiträge zur Topologie der Punktsätze und definierte und gründete die Theorie der abstrakten Räume. Fréchet bildete auch wichtige Beiträge zur Statistik, und zur Wahrscheinlichkeit. In seiner Abhandlung von 1906, oben erwähnt, forschte er die metrischen Räume nach und formulierte den abstrakten Begriff von Kompaktheit.

1907 entdeckte er eine integral dargestellte Theorie für den Raum der quadratischen integrierbaren Funktionen. Ein ähnliches Resultat wurde davon unabhängig von "Riesz" entdeckt.

Fréchets wichtigste Arbeit umfaßt :

Fréchet starb am 4. Juni 1973 im Alter von 95 Jahren in Paris.

Claude Chevalley [Johannesberg, Transvaal(RSA), 1909 * Paris (F), 1984]


Claude Chevalley war der einzige Sohn von Abel und Chevalley, die die Autoren des "Oxford Concise French Dictionary" waren. Er studierte unter Emile Picard an der "Ecole Normale Supérieur" in Paris und schloss dort 1929 ab. Während dieser Zeit war er das jüngste Mitglied der Mathematiker.

Nach dem Abschluss setzte er seine Studien in Deutschland fort und studierte von 1931-1932 in Hamburg. Anschließend ging er an die Universität von Marburg, an der er unter Hasse studierte. 1937 machte er dort seinen Doktor. 1938 ging er in die Vereinigten Staaten zum Institut für fortgeschrittene Studien in Princeton. Von Juli 1949 bis Juni 1957 diente er als Professor der Mathematik an der Kolumbien Universität. Im Anschluss kehrte er an die Universität von Paris zurück.

Chevalley hatte einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Mathematik in vielen Bereichen. Seine Veröffentlichungen von 1936 und von 1941, in denen er die Konzepte von "Adèle" und von "Idèle" vorstellte, führten zu großen Fortschritten in der Feldtheorie und auch in der algebraischen Geometrie. 1943 befasste er sich als einer der Ersten mit der Ringtheorie.

Viele seiner Texte sind zu Klassikern geworden. Er schrieb die "Theorien of Lie Groups" in drei Ausgaben, die 1946, 1951 und 1955 erschienen. Er veröffentlichte auch Theorien der Distribution (1951), Theorien über die Einleitung zur Theorie der algebraischen Funktionen von einer Variable (1951), die algebraische Theorie "Spinors" (1954), die Gruppentheorie (1954), die grundlegenden Konzepte zur Algebra (1956) und der Grundlagen der algebraischen Geometrie (1958).

Chevalley wurden viele Ehren für seine Arbeit zugesprochen. Unter diesen war der Cole Preis der amerikanischen mathematischen Gesellschaft, der ihm 1941 für seine Veröffentlichung "La theorie du corps de classes" zugesprochen wurde, die in die Geschichte der Mathematik einging und 1940 veröffentlicht wurde.

1967 wurde er in London zum Mitglied der mathematischen Gesellschaft gewählt. Chevalley starb am 28. Juni 1984 in Paris.


Jean Cavaillès[Saint-Maixent(F), 1903 * Paris(F) 1944]


Jean Cavaillès wurde am 15. Mai 1903 in "Saint-Maixent" geboren.

Sein Vater war Offizier. Er besuchte die "Primary- und Secondaryschool" in Mont-de-Marsan, die er als bester Schüler beendete. Danach ging er an die ENS in Paris um dort Mathematik zu studieren. Er machte seinen Wehrdienst im Jahre 1927, wie EOR in "Saint-Cyr" und im Juni 1928 als "Sous-lieutenant" .

Von 1929 bis 1935 bereitete er seine These vor,deswegen beantragte er zuerst einen Aufenthalt für ca. ein Jahr in Deutschland, später folgten noch mehrere anderen Reisen, die ihm erlaubten, den Schrecken des Naziregimes zu beobachten und zu erfassen.

Jean Cavaillès war Professor am Gymnasium in "Amiens" im Jahre 1936, Doktor "ès lettres " im Jahre 1938,und danach als Dozent allgemeiner und logischer Philosophie an der Fakultät "ès lettres" in Straßburg.

Im Jahre 1939 leitete er als "Lieutenant d' Infanterie" eine Sektion unter "Forbach", und wurde wegen seiner Kühnheit am 11. Juni ins Gefängnis geschickt, er flüchtete nach Belgien Ende Juli und traf dort "Clermont-Ferrand" wieder. Jean Cavaillès, war Vertreter einer Philosophie der Begriffe und der "lokalen Rationalitäten", die sich sowohl gegen jeden Subjektivismus als auch gegen jeden Idealismus stellt.

Ende Dezember 1940 begegnete er "Emmanuel d' Astier Vigerie" , mit dem er einige Monate später die Widerstandsbewegung "Libèration " gründete, und veröffentlichte Zeitungen.

Er wurde im Oktober 1941,in Sorbonne, zum Professor ernannt, und gehörte zur " Libèration-Nord ". Er schaffte es im April 1941 ein Auskunftsnetz "Cohors-Netz " zu bauen und gründete Gruppen in Belgien und im Norden von Frankreich. Er wurde mit Christian Pineau durch die französische Polizei im September 1942 festgehalten, Er wurde zuerst ins Gefängnis in "Montpellier" danach in Saint-Paul d'Eyjeaux" geschickt. Er flüchtete im Dezember 1942.

Er suchte die notwendigen Methoden um sein Netz zu vergrößern und ging im Februar 1943 nach London, dort begegnete er mehrmals dem General de Gaulle.

Nach seiner Rückkehr in Frankreich am 15. April, trat er aus der Widerstandsbewegung "Libèration" zurück. Später wurde er am 28. August 1943 in Paris, wie auch seine Schwester und sein Schwager, festgehalten und auf die Zitadelle in "Arras" übertragen.

Am 17. Februar 1944 wurde er von den Deutschen erschossen.


Henri Mineur [Lille(F) 1899 * Paris(F)]


Henri Mineur wurde am 7. Märs 1899 in Lille geboren.

Im Jahre 1917 wurde Mineur von der "École Normale Supérieur de Paris" aufgenommen. Wegen des Krieges entschied er sich für die Armee. Trotzdem konnte er sein Studium erfolgreich im Jahre 1921 abschließen.

Er unterrichtete zuerst in einer Schule in Düsseldorf,später im Jahre 1920 hatte er mit der Forschung in der Mathematik angefangen.

Im Jahre 1924 hatte er seine Doktorarbeit über"functional equations" geschrieben. Die Arbeit seiner These wurde im Jahre 1925 veröffentlicht und drei Jahre später veröffentlichte er eine Zeitung über"differential calculus".

Mineur hatte sich immer für Astronomie interessiert. Deshalb verliess er im Jahre 1925 die Schule, um im Pariser Observatorium zu arbeiten. Er trug zu vielen Gebieten von Astronomie und Mathematik zum Beispiel analytischen Maschinenbau, Statistik und numerische Analyse bei.

Im Jahre 1938 schrieb Mineur eine wichtige Arbeit über "...la méthode des moindres carrés". Seine wichtigste Arbeit an numerischen Methoden war "Technique de calcul numérique".

In der Astronomie machte Mineur viele bedeutungsvolle Entdeckungen. Er entdeckte, dass sich die Geschwindigkeit der Sterne zu ihrer Entfernung zu den Planeten im Weltall variabel verhaelt.

Im Jahre 1936 wurde Mineur im "Institut d'Astrophysique" in Paris als Direktor berufen, eine Stelle, die er für den Rest seines Lebens besetzte. Während der Zeit zwischen 1940 und 1944 war Mineur ein aktives Mitglied beim französischen Widerstand, er war sehr engagiert und riskierte damit in vielen Gelegenheiten sein Leben.

Mineur hatte unter Gesundheitlichenproblemen gelitten, vor allem während der letzten fünf Jahren vor seinem Tod. Er starb am 7. Mai 1954 in Paris, im frühen Alter von 55.
 
 

Dokumentation: