TUM INFO V - Mathematiker in der NS-Zeit

Technische Universität München, Fakultät für Informatik

 

Forschungs- und Lehreinheit Informatik V

Ingenieuranwendungen in der Informatik, numerische Programmierung

 

Home

Welt der Frau in NS- Zeit

Frauen in der Mathematik

Ruth
Moufang

Emmy
Noether

Olga
Taussky

Hilda
Geiringer

Mathematikerinnen während der NS-Zeit

 

Die Welt der Frau in der NS- Zeit

 


Rede vor der NS- Frauenschaft von Hitler 1934

"Die Welt des Mannes ist groß, verglichen mit der der Frau. Der Mann gehört seiner Pflicht, und nur ab und zu schweift ein Gedanke zur Frau hinüber. Die Welt der Frau ist der Mann. An anderes denkt sie nur ab und zu. Das ist ein großer Unterschied. Wenn man sagt, die Welt des Mannes ist der Staat, die Welt des Mannes ist sein Ringen, die Einsatzbereitschaft für die Gemeinschaft, so könnte man vielleicht sagen, dass die Welt der Frau eine kleinere sei. Denn ihre Welt ist ihr Mann, ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus. Wo wäre aber die größere Welt, wenn niemand die kleinere Welt betreuen wollte? Wie könnte die größere Welt bestehen, wenn niemand wäre, der die Sorgen um die kleinere Welt zu seinem Lebensinhalt  machen würde? Nein, die große Welt kann nicht bestehen, wenn die kleine nicht fest ist. Die Vorsehung hat der Frau die Sorgen um diese ihre ureigenste Welt zugewiesen, aus der sich dann erst die Welt des Mannes bilden und aufbauen kann. diese beiden Welten stehen sich daher nie entgegen. Sie ergänzen sich gegenseitig, sie gehören zusammen, wie Mann und Frau zusammengehören.

 Wir  empfinden es nicht als richtig, wenn das Weib in die Welt des Mannes, in sein Hauptgebiet eindringt, sondern wir empfinden es als natürlich, wenn diese beiden Welten geschieden bleiben. In die eine gehört die Kraft des Gemütes, die Kraft der Seele! Zur anderen gehört die Kraft des Sehens, die Kraft der Härte, der Entschlüsse und die Einsatzwilligkeit! (...) Was der Mann an Opfern bringt im Ringen seines Volkes, bringt die Frau an Opfern im Ringen um die Erhaltung dieses Volkes in den einzelnen Zellen. Was der Mann einsetzt an Heldenmut auf dem Schlachtfeld, setzt die Frau ein in ewig geduldiger Hingabe, in ewig geduldigem Leiden und Ertragen. Jedes Kind, das sie zur Welt bringt, ist eine Schlacht, die sie besteht für Sein oder Nichtsein ihres Volkes. Und beide müssen sich deshalb auch gegenseitig schützen und achten, wenn sie sehen, dass jeder Teil die Aufgabe vollbringt, die ihm Natur und Vorsehung zugewiesen hat."

Allein dieses Zitat verdeutlicht auf den ersten Blick, dass es für Frauen nicht einfach war, sich auch nur in den Wissenschaften einzubringen, geschweige denn, eine akademische Laufbahn anzustreben: Die Welt der Frau ist ihre Familie, ihre Kinder und ihr Haus.

 

     
Die Lage der Frau

Der Auslöser, die Frauen an den Herd zu verweisen und ihre Kinder an ihren Schürzenzipfel, lag für Hitler in der damaligen Arbeitslosigkeit. Um den Männern bessere Perspektiven zu bieten, versuchte er durch gezielte Propaganda und Gesetzte, die Frauen aus ihren Berufen zu drängen und an den heimischen Herd zurückzuschicken. (Dieses Schicksal sollte den Frauen das nächste Mal nach dem Ende des 2. Weltkrieges widerfahren, wo sie wiederum nach Hause geschickt wurden, um den aus den Krieg heimkehrenden Männern Platz zu machen.)

Eine sehr geschickte Strategie war es, dass seit dem 25.4.1933 Frauen nur noch in begrenzter Zahl (10%) an den Hochschulen zugelassen wurden. Somit wurde bereits der Anfang einer Karriere vielen Frauen unmöglich gemacht, das Übel sozusagen im Keim erstickt. Nur wenige Frauen konnten diese enormen Hürden überwinden.

Darüber hinaus gab es auch diverse Regelungen, die einer bereits ausgebildeten Frau die Ausübung ihrer Tätigkeit erschwerten oder gar verhinderten. Das „Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“  gewährte z.B. ein Ehestandsdarlehen nur, wenn die Ehefrau ihre Arbeit aufgab. Besonders eingeschränkt waren Beamtinnen, die seit dem 30.6.1933 erst ab dem 35. Lebensjahr den Beamtenstatus erlangen konnten. Verheiratete Beamtinnen wurden entlassen, wenn sie durch das Familieneinkommen abgesichert waren, und am 27. 4. 1934 entließ man schließlich alle Beamtinnen. Ab 1936 verweigerte Hitler Frauen die Zulassung als Richterinnen und Rechtsanwältinnen.

 

 

Die Welt der Frau wurde systematisch mehr und mehr verkleinert, ihre Freiheit und persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten zusehends eingeschränkt. So galten z.B. ab Februar 1938 für Verheiratete, die mehr als fünf Jahre kinderlos blieben, erhöhte Steuersätze. Darüber hinaus legte das neue Ehescheidungsrecht vom 6.7.1938 fest, dass Unfruchtbarkeit und die Weigerung, Kinder zu bekommen,  als Scheidungsgrund zählen.

 

Zehn Gebote für die Gattenwahl

1. Gedenke, dass Du ein Deutscher bist.
2. Du sollst, wenn du erbgesund bist, nicht ehelos bleiben.
3. Halte Deinen Körper rein!
4. Du sollst Geist und Seele rein halten.
5. Wähle als Deutscher nur einen Gatten gleichen oder Nordischen Blutes.
6. Bei der Wahl Deines Gatten frage nach seinen Vorfahren.
7. Gesundheit ist Voraussetzung auch für äußere Schönheit.
8. Heirate nur aus Liebe.
9. Suche Dir keinen Gespielen, sondern einen Gefährten für die Ehe.
10. Du sollst Dir möglichst viele Kinder wünschen

 

Wandel

Doch plötzlich kam das böse Erwachen: Die Männer konnten die heroischen Aufgaben in ihrer großen Welt nicht mehr allein bewältigen. Auf einmal war die Kraft des Hausmütterchens gefragt und sie durfte ihre beschauliche kleine Welt verlassen, um mit dem Mann das große Ziel zu erreichen. Doch es sorgte sich kein Politiker darum, ob währenddessen die kleine Welt funktionierte: ob Essen auf dem Tisch stand, ob die Kinder krank und verängstigt waren oder die Alten auf der Strecke blieben.

1938 wurde in „Geheimen Richtlinien für die Beschäftigung von Frauen im Notfall“ festgelegt, den Einsatz von Frauen in Wirtschaft und Verwaltung zu legalisieren, um Männer für den Kriegsdienst freistellen zu können.

13.2.1939 trat die „Verordnung zur Sicherstellung des Arbeitskräftebedarfs“ in Kraft, die im Krieg die Grundlage für eine Dienstpflichtverordnung zur Heranziehung von Frauen zu kriegeswichtigen Aufgaben bildete.

 

Mutterkreuz

Jedoch wurde angesichts dieser Richtlinien und Gesetzte die "eigentliche Rolle" der Frau nicht außer Acht gelassen. So kündete der „Völkische Beobachter“ in der Weihnachtsausgabe feierlich an, dass ab 1939 kinderreiche Mütter mit dem Mutterkreuz ausgezeichnet würden. Es trug die Aufschrift „Das Kind adelt die Mutter" und sollte am blauen Band am Hals getragen werden. Es gab Frauen, die die Auszeichnung als Ehre empfanden, aber auch solche, die es in die hinterste Ecke ihres Nachtschränkchens legten. Das Ehrenkreuz der deutschen Mutter wurde verliehen in

- Bronze an Mütter von vier bis fünf Kindern

- Silber an Mütter von sechs bis sieben Kindern

- Gold an Mütter von acht und mehr Kindern

 

Frauen werden zum Arbeiten verpflichtet

Alle Frauen, die ihre Stellungen aufgeben mussten, wurden am 6.7.1941 wieder zur Arbeit verpflichtet. Mädchen hatten ab dem 29.7.1941 zusätzlich zu dem Arbeitsdienst, „Kriegshilfsdienst“ für weitere sechs Monate zu leisten. Sie wurden bei der Wehrmachtsverwaltung, in Krankenhäusern und Familien eingesetzt.

1942 setzte Hitler Frauen als Flakhelferinnen bei der Bedienung von Scheinwerfern ein.

1944 wurden „Wehrmachtshelferinnenkorps“ gebildet, um weitere 150.000 Frauen bei der Wehrmacht einzusetzen. Das Alter arbeitspflichtiger Freuen setzte man von 45 auf 50 Jahre herauf

Frauen vertraten die Männer in all ihren männlichen Berufen. Sie arbeiteten in der Rüstungsindustrie und wurden zum Hilfsdienst für den Volkssturm aufgerufen. Es ging sogar soweit, dass man ihnen am 23.3.1945 sogar den „freiwilligen Einsatz zum Kampf mit der Feuerwaffe erlaubte, da Not am "Mann" war. Auch nach dem Krieg waren die Frauen weiter im Dienste des Landes tätig. Sie beseitigten die Trümmer, sie brachte die körperlich und psychisch kranken Männer wieder auf die Beine und tröstete die Kinder.

 

Sterilisationsprogramm und Rassenideologie

Das Sterilisationsprogramm der Nazis ist eines der eklatantesten Beispiele für die frauenfeindliche Politik im Nationalsozialismus.

Im Nationalsozialismus sollten nicht alle Frauen Kinder gebären, damit Hitler die "perfekte Rasse der Arier züchten" konnte. In Folge dessen wurde vielen Frauen das Recht, Kinder zu gebären, abgesprochen. Die Nationalsozialisten betrieben, wie sie stolz von sich behaupteten, nicht eine quantitative, sondern eine qualitative Bevölkerungspolitik

14.7.1933 wurde durch das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses die Zwangssterilisation eingeführt.

1935 verfügte dieses Gesetz die Schwangerschaftsunterbrechung aus so genannten „eugenischen“ Gründen, die mit einer anschließenden Zwangssterilisation verbunden war (Eugenik= Erbgesundheitsforschung und –lehre mit dem Ziel, Erbschädigende Einflüsse und die Verbreitung von Erbkrankheiten zu verhüten).

Fast bis zu 300.000 „legale“ Sterilisationen, die bis 1937 belegt sind, waren zum größten Teil erzwungen. Dabei starben infolge des Eingriffs rund 400 Frauen und 70 Männer; rund 7000 „eugenische“ Schwangerschaftsunterbrechungen mit nachfolgender Zwangssterilisation fanden statt.

Von 1933 bis 1944 passierten über vier Millionen Menschen die auslesenden Blicke der Amtsärzte. Die Einwände, dass das Schamgefühl der Frauen verletzt werde, wurden als unberechtigt zurückgewiesen.

Um festzustellen, welche Frauen sterilisiert werden sollten, genügte es nach den Rassengesetzen, wenn die Behörden die Frauen als Asoziale, Schwererziehbare, Schizophrene, Hysterikerin, Taube, Blinde, Manisch- Depressive, als Frauen mit häufig wechselnder Arbeit, Prostituierte, Alkoholikerin, als Frauen, die keinen Haushalt führen konnten, einstuften.

Es wurde deutlich, dass die Sterilisationspolitik nach der nationalsozialistischen Rassenideologie in erster Linie gegen die Frauen gerichtet war:

„Die Zahl der entarteten Individuen, die geboren werden, hängt hauptsächlich von der Zahl fortpflanzungsfähiger entarteter Frauen ab. Die Sterilisation der entarteten Frau ist rassehygienisch daher wichtiger als die des Mannes.“

15.9.1935 verbietet das Nürnberger Gesetz: „Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ die Ehe und sexuelle Kontakte zwischen Juden und „Ariern“; im „Reichsbürgergesetz“ wird die Reichsbürgerschaft nur „Ariern“ oder „Artverwandten“ zugebilligt

18.10.1935: „Ehegesundheitsgesetz“: Bei der Eheschließung hat ein amtliches “Ehetauglichkeitszeugnis“ vorzuliegen. Vornehmlich Frauen sind von solchen Untersuchungen betroffen.

 

 

"Frauen sind wie Blüten! Nicht Schönheit ist ihr Sinn, sondern die Frucht - das Kind!" (SS-Leitheft, 7. Jahrgang, Folge 11a/b).

 

Leistung von Widerstand

Die Frauen leisteten gegen das Nazi-Regime Widerstand und waren dabei einfallsreich, erfinderisch und mutig. In ihrem Alltag widersetzten sie sich z.B. dem System, in dem sie den Hitlergruß verweigerten, das Mutterkreuz ablehnten oder politische Widerstandsaktionen in ihren eigenen Räumen ermöglichten. Sie ergriffen lebensrettende Maßnahmen für bedrohte und verfolgte Menschen, um sie vor dem Zugriff der Partei, der Gestapo oder der SS zu schützen oder verteilten Flugblätter.

Als Widerstandkämpferinnen wurden sie zu Gefängnis, Konzentrationslager und zum Tode verurteilt.

Doch auch hier zeigte sich die Dominanz der Männer, z.B. im Bereich der Herstellung von Aufklärungsschriften: Männer verfassten, Frauen tippten, vervielfältigten und organisierten die Verteilung. Jedoch verschob sich diese Rollenverteilung immer dann, wenn es nach Verhaftungswellen zu personellen Lücken durch die Inhaftierung der männlichen Widerstandskämpfer kam.

  Aussage von Freya von Moltke aus ihrer Zeit des Widerstands:

„Ich würde mich gern aktiver machen, aber wir waren doch alle mehr die Frauen unserer Männer. Ich habe zwar alles mitgetragen, aber das war doch eine andere Rolle, als sie die Männer hatten. Ich will das mal so formulieren: wenn die Männer geplant haben, haben wir zugehört.“

(Wickert S. 101)

Ähnlich äußerte sich Emmi Bonhoeffer:

„Ich habe nicht einmal Abitur. Mein Vater war kein Freund des Frauenstudiums. Er fand es auch nationalökonomisch falsch, weil Frauen nach dem damaligen Verständnis anschließend ohnehin heirateten.“

     
Frauen als Täter

Auch wenn die bisherigen Ausführungen dazu verleiten, die Frau im Nationalsozialismus vorrangig aus der Perspektive der Opfers zu betrachten, sollte abschließend darauf hingewiesen werden, dass Frauen durchaus auch Mittäterinnen waren und durch ihr aktives Mitwirken im Dritten Reich sich selbst vieler Verbrechen an der Menschheit schuldig gemacht haben.

Zum Beispiel waren Frauen  in "natur- und artgemäßen" Berufen oft diejenigen, die die benötigten Daten sammelten, die bei der Entscheidung, ob jemand "rassisch wertvoll" ist, als Grundlage herangezogen wurden. Wenn sie eine Person als "erbbiologisch minderwertig" einstuften, gaben sie das grüne Licht für eine Zwangssterilisation.

Auch in typischen Frauenberufen wie z.B. Krankenschwester (Ermordung psychisch Kranker) und Sekretärin (Informationsbeschaffung für rassistische und politische Verfolgung) wurden viele Frauen zu Mittäterinnen. In der SS wurden ab 1938 auch Frauen als Aufsichtspersonal eingesetzt und waren somit direkt verantwortlich für viele Gräueltaten.

Diese Beispiele sollen  genügen, da eine genauere Ausführung den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Aber es ist wichtig, in einer Arbeit, die sich u. a. mit Frauen in der NS-Zeit befasst, ebenfalls darauf hinzuweisen, dass Frauen in einem überaus männlich geprägten Nationalsozialismus auch die Möglichkeit hatten, zu Täterinnen zu werden. Den interessierten Leser fordern wir an dieser Stelle zur Selbstrecherche auf.

   

Quellen:

http://www.ns-archiv.de/
http://www.papesch.de/Widerstand/Frauen/
http://www.andreas-albert.de/Frauen-NS.html
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/frauen/
http://www.ceiberweiber.at/ownpages/war/helferin.htm
http://www.abi00.de/tls-gi/referate/geschichte/main.html
http://www.doew.at/service/ausstellung/1938/12/12a.html
http://www2.rz.hu-berlin.de/zif/frauen/pdf-Dateien/Tafel16g.pdf
http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/mutterkreuz/index.html