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Als John Nash im Jahre 1948 seine Promotion in Princeton begann, fand er dort ein hervorragendes Umfeld für seine Forschungen im Bereich der Mathematik vor. Der Grundstein dafür wurde im Jahre 1933 gelegt, in dem zahlreiche bekannte Forscher aus Deutschland in die USA emigrierten. Einige dieser Wissenschaftler fanden in Princeton ein neues Zuhause und verhalfen der im Jahre 1746 gegründeten Universität zum Aufstieg. Im Bereich der Physik ist vor allem Albert Einstein zu nennen, der bereits zwischen 1930 und 1933 die Wintersemester in Princeton verbrachte und sich schließlich im Jahre 1933 endgültig dort niederließ. Seine Emigration in die USA führte dazu, dass die Vereinigten Staaten zum Physik-Standort Nummer eins wurden und damit Deutschland den Rang abliefen.
Neben Albert Einstein kamen eine Reihe namhafter Mathematiker nach Princeton, die dabei mithalfen, dem 1930 gegründetem "Institute for Advanced Study" (IAS) einen weltweit hervorragenden Ruf zu erarbeiten. Das Institut widmete sich in erster Linie der Forschung in den Gebieten der Mathematik und der mathematischen Physik, wobei die dort beschäftigten Wissenschaftlern unter keinerlei Druck standen und in Ruhe an ihren Projekten arbeiten konnten. Heute ist das IAS in fünf Bereichen beschäftigt und gilt als das berühmteste Forschungszentrum der Welt. Einen großen Beitrag zum Aufstieg Princetons leistete der ungarische Mathematiker John von Neumann. Er kam 1930 an die Universität und arbeitete ab 1933 am IAS. Auf ihn geht die Spieltheorie zurück, der sich John Nash in seiner Dokterarbeit annahm. Außerdem kamen mit Hermann Weyl (1933) und Kurt Gödel (1946) zwei weitere hervorragende deutsche Mathematiker nach Princeton und ebneten den Weg zum steilen Aufstieg der Universität.
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Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre zogen die USA alle bedeutenden Wissenschaftler in einer Denkfabrik des Militärs zusammen. So auch John Nash, der im Jahre 1950 seine Arbeit an der sog. RAND Corporation began. Ein Einrichtung war am 14. Mai 1948 in Santa Monica, Kalifornien gegründet worden und war zunächst ein Projekt der Douglas Aircraft Company, das an besagten Datum als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert wurde. Die Abkürzung RAND steht für "Research and Development", wohinter sich eine Forschungseinrichtung für Waffensysteme, moderne Kriegsführung und internationale Beziehungen verbarg. Anfang der 50er Jahre galt das Gebäude der RAND Corporation als sicherstes der ganzen USA. Dies unter anderem dadurch erreicht wurde, dass den Mitarbeitern nicht erlaubt wurde, offen über ihre Tätigkeiten zu sprechen. Durch diesen Geheimhaltungszwang wurde John Nashs Paranoia, die im Laufe seines späteren Lebens auftrat, vermutlich gefördert.
Die RAND Corporation existiert noch heute und präsentiert sich auf ihrer Homepage stolz mit dem Slogan "50 Years of Service to the Nation". Im Laufe dieser 50 Jahre hat sie das Unternehmen sehr verändert und arbeitet mittlerweile nicht mehr nur exklusiv für das US Militär. Zu den Auftraggebern der RAND Corporation zählen heute in erster Linie die US Regierung aber auch internationale Regierungen und Universitäten. Auch die Forschungsbereiche wurden deutlich erweitert und so ist man heute unter anderem in den Bereichen Strafrecht, Drogenpolitik, Erziehung, Gesundheit, Infrastruktur, Nationale Sicherheit, Bevölkerung und Terrorismus tätig. Ungefähr 1600 Mitarbeiter sind heute bei der RAND Corporation tätig und müssen sich dabei nicht mehr mit den extremen Geheimhaltungsstufen der Anfangsjahre herumschlagen.
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In seiner Doktorarbeit beschäftigte sich John Nash mit der Spieltheorie und definierte dabei das Nash Equilibrium (Nash Gleichgewicht). Den Grundstein für Nashs Arbeit an der Spieltheorie legte John von Neumann, der sich bereits in den 20er Jahren mit dem Thema auseinander setzte. Im Jahre 1944 schrieb er zusammen mit dem österreichischen Ökonomen Oskar Morgenstern ein Buch namens "Theory of Games and Economic Behavior", in dem er seine Theorien ausführlich beschrieb. Allerdings beschäftigte sie sich dabei ausschließlich mit sog. "Null-Summen"-Spielen, bei denen die Interessen der beiden Spiele stets entgegengesetzt sind. John Nash beschäftigte sich dagegen mit komplexeren Spielen, bei denen mehrere Spieler beteiligt sind, deren Interessen und Strategien nicht zwangsläufig gegenteilig sein müssen.
Seine Theorien befassen sich mit der interaktiven Entscheidungsfindung und belegen, dass der Ausgang eines Spiels von allen Beteiligten abhängt. Diese Ansätze sind selbstverständlich nicht nur auf dem Gebiet der Spiele interessant, sondern können unter anderem in der Geschäftswelt, der Politik und der Diplomatik angewendet werden. Das von John Nash aufgestellte Gleichgewicht geht davon aus, dass bei einem Spiel eine bestimmte Anzahl von Strategien zur Verfügung steht und dass jeder Spieler eine dieser Strategien verfolgt. Wenn es in diesem Spiel eine Strategiekombination gibt, für die gilt, dass es für keinen Spieler profitabel ist seine Strategie zu ändern, wenn die anderen Spieler ihre Strategie unverändert lassen, bilden die Strategiekombination und die resultierenden Payoffs ein Nash Gleichgewicht.
Im Film "A Beautiful Mind" wurde die Spieltheorie ebenfalls behandelt und auf folgende Weise erklärt: John Nash war zusammen mit seinen Freunden in einer Bar und sah eine Gruppe junger Frauen hereinkommen. Nachdem sich alle für die blonde Frau interessierten, kam John Nash die zündende Idee, dass dies niemals funktionieren könne. Denn somit würden sich die Männer gegenseitig behindern und die blonde Frau damit vergrauen. Außerdem wären die anderen Frauen auf Grund dessen beleidigt. Um also das beste Resultat für alle zu erzielen, wäre es am klügsten, dass sich niemand an die Blonde heranmacht und sich die Freunde stattdessen auf die anderen Frauen konzentrieren. Eine äußerst anschauliche und eingängliche Erklärung der Spieltheorie...
Ein weiteres prominentes Beispiel im Zusammenhang mit der Spieltheorie ist das sog. "Prisoner's Dilemma". Dabei geht man von folgendem Szenario aus: Zwei Männer werden verhaftet und beschuldigt, zusammen eine Straftat begangen zu haben. Beim getrennten Verhör bekommt jeder die Möglichkeit den anderen anzuschwärzen, um somit für sich einen Vorteil zu erzielen. Die Spieltheorie behauptet für diesen Fall, dass es am sinnvollsten ist, dass man seinen "Partner" anschwärzt, da man auf diese Weise immer besser davonkommt. Denn sofern der andere einen selbst ebenfalls anschwärzt, stellt sich in gewisser Weise ein Gleichgewicht ein. Sofern man vom "Partner" nicht angeschwärzt wird, steht man selbstverständlich gut da.
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John Nash litt einen großen Teil seines Leben an der Krankheit Schizophrenie, einer noch relativ unerforschten Krankheit, bei der es zu zahlreichen Missverständnissen kommt. Ein bekannter Arzt beschrieb diesen Umstand einst mit folgenden Worten: "There's something mysterious about it. It's hard to put into words. So we fall back on words like bizarre." In den Köpfen der Mensch ist teilweise noch ein großer Irrglaube im Bezug auf diese Krankheit vorhanden, da viele der Auffassung sind, Schizophrenie beschreibe das Krankheitsbild einer gespaltenen Persönlichkeit. Außerdem wird fälschlicherweise angenommen, dass Schizophrene geistig zurückgeblieben wären. Dies ist allerdings auf die schweren Behandlungen zurückzuführen, mit denen man sich noch vor einigen Jahren eine Heilung der Krankheit versprach.
Tatsächliche Symptome von Schizophrenie sind stattdessen Paranoia, Gehörhalluzination, Teilnahmslosigkeit, Ruhelosigkeit und Gefühlskälte. Allerdings kann man erst bei einer Kombination dieser Symptome von Schizophrenie sprechen. Auf Grund eines dieser Symptome kann man noch niemanden diese Krankheit attestieren. Ein weiteres bemerkenswertes und bisher unerklärtes Phänomen der Schizophrenie ist der Umstand, dass sich bei Erkrankten im Laufe der Zeit eine Besserung einstellen kann. So geschehen bei John Nash. Eine Studie, bei der über einen Zeitraum von 30 Jahren Schizophrene beobachtet wurden, brachte an Tageslicht, dass bereits nach 10 Jahren 25% der Patienten vollkommen beschwerdefrei sind. Eine Zahl, die sich über die Jahre noch weiter erhöhte. Am Ende der Beobachtungszeit mussten 10% der Beobachteten ins Krankenhaus, da sie alleine und ohne Aufsicht nicht mehr lebensfähig waren. Weitere 10% waren in der Zwischenzeit gestorben. In den meisten Fällen begingen sie Selbstmord, da sie mit den Symptomen der Krankheit nicht zurechtkamen.
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