Computerentwicklung in Deutschland
 
Ingenieuranwendungen in der Informatik, numerische Programmierung  

Mathematiker in der NS-Zeit

Computerentwicklung in Deutschland

  Fakultät für Informatik der TUM


"Ich bin zu faul zum Rechnen.” Dieses Eingeständnis eines jungen Ingenieursstudenten sollte unsere Welt verändern. Mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts plagte sich ein angehender Bauingenieur namens Konrad Zuse während seines Studiums an der damaligen Technischen Hochschule Charlottenburg mit Algorithmen für die statischen Berechnungen von Bauwerken. Die vielen Personen, die damals in Instituten oder der Industrie mit Zahlen jonglierten, nannte man zu jener Zeit Rechenknechte - Computoren. Zuse ließ dieses lästige Problem keine Ruhe. Seine Vision war, den Ingenieuren die stupide Arbeit des Rechnens durch eine Maschine abnehmen zu lassen. Er wird heute fast einhellig auf der ganzen Welt als Schöpfer des ersten funktionsfähigen, programmgesteuerten und frei programmierbaren Rechners in binärer Gleitpunktrechnung, der wirklich funktionierte, anerkannt.

Zuses Rechenmaschinen  

Der junge Konrad Zuse

Der junge Konrad Zuse

 

Erste Gedanken Zuses über die logischen wie technischen Prinzipien zum Bau solcher - völlig neuartiger - Rechnersysteme, die wir heute Computer nennen, gehen bereits auf das Jahr 1934 zurück.

Der erste Rechner von Konrad Zuse - die Z1- entstand von 1936-38 und gilt als der erste frei programmierbare Rechner der Welt. Die Z1 enthielt zwar alle Komponenten eines modernen Computers, arbeitete aber unzuverlässig. Die mechanische Konstruktion war zu kompliziert und zu anfällig. Konrad Zuse beschloss, den Nachfolger Z2 zu konstruieren. Er wollte damit testen, ob die Verwendung von Relais zu besseren Ergebnissen führt.

Ein Rechenwerk mit 800 Relais brachte schliesslich die erhoffte Leistung und zerstreute Zuses ursprüngliche Bedenken. Die Z2 wurde 1939 fertiggestellt. Zuse beschloss nun, die Z3 zu bauen, einen Rechner, der nur aus Relais bestehen sollte und der später als der erste voll funktionsfähige programmierbare Rechner der Welt gelten soll.

Konrad Zuse schuf auch - was weit weniger bekannt ist - mit dem Plankalkül (1941-1945) die erste höhere Programmiersprache der Welt.

 

Nachbau der Z3 im Deutschen Museum

Nachbau der Z3 im Deutschen Museum

Doch Zuse war nicht der einzige wichtige technische Erfinder seiner Zeit.  

Curt Herzstarks Curta

Curt Herzstark

Als Krönung der mechanischen Rechenmaschinen gilt heute die "Curta" des Wiener Erfinders Curt Herzstark. Es handelte sich dabei um eine kleine Taschenrechenmaschine.

Herzstarks Überlegungen führten schon 1937 zum Patent einer "Komplementären Staffelwalze".

Ein Jahr später gab es bereits ein erstes primitives, aber funktionsfähiges Modell.

Im gleichen Jahr wurde Curt Herzstark von den Nazis verhaftet und ins KZ Buchenwald gebracht. Der SS war seine Erfindung bekannt und man wollte sie dem "Führer" als Siegesgeschenk überreichen.

   
So konnte der Erfinder seine Entwicklung im geheimen Gustloff-Werk fortsetzen.

1944 waren die Pläne zu seiner „Lilliput" genannten Maschine in der endgültigen Form fertiggestellt.

Ein feinmechanisches Meisterwerk und - wie man sieht - ein echter Taschenrechner.

Die Lilliput, 1944

Am 11. April 1945 befreiten die Amerikaner das KZ Buchenwald.

Weltweit hatten viele Firmen starkes Interesse, die Curta - wie sie nun hieß - zu produzieren.
Sie war kleiner, schneller, leichter, billiger und leiser als alle anderen Vier-Spezies-Rechenmaschinen vorher.
Die Curta konnte sich am Anfang sogar gegen die ersten elektronischen Tischrecher behaupten, denn die waren noch groß und teuer.

Als aber die ersten elektronischen Taschenrechner preiswert auf dem Markt erschienen, war das Ende der Curta besiegelt.

Elektronische Taschenrechner eroberten nun die Welt, aber das ist eine ganz andere Geschichte ........

 

Seminarvortrag

Wenn man die obigen Erfindungen in die Zeitgeschichte einordnet stellt man fest, daß sie im Zeitraum und Umfeld der NS-Herrschaft in Deutschland gemacht wurden. Deshalb sind sie Bestandteil unseres Vortrags mit dem Thema "Computerentwicklung in Deutschland während der NS-Zeit".

Im Weiteren werden Sie unter den obigen Links ausführliche Informationen zu Konrad Zuses Leben und seinen Rechenmaschinen sowie zu Curt Herzstark und seiner Curta finden.

 


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